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EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs
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Der EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs, oft als Brexit (Kofferwort fĂźr British exit) bezeichnet, erfolgte am 31. Januar 2020 und ist durch das am 24. Januar 2020 unterzeichnete Austrittsabkommen geregelt.cite-ref-brexit-abk-1-0[1] In der dort bis zum 31. Dezember 2020 vereinbarten Ăbergangsphase wurden bis zum 24. Dezember 2020 die langfristigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten KĂśnigreich (VK, engl. UK, von United Kingdom) und der Europäischen Union (EU) neu ausgehandelt. Seit dem 1. Januar 2021 ist das Vereinigte KĂśnigreich nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes und der Zollunion.cite-ref-2[2]
Der Austrittsprozess wurde durch das EU-Mitgliedschaftsreferendum am 23. Juni 2016 (meist Brexit-Referendum genannt) angestoĂen, bei dem 51,89 % der Teilnehmer fĂźr den EU-Austritt stimmten. Premierministerin Theresa May leitete am 29. März 2017 den Austritt aus der EU und aus EURATOM gemäà Artikel 50 des Vertrags Ăźber die Europäische Union durch schriftliche Mitteilung an den Europäischen Rat rechtlich wirksam in die Wege, wodurch eine zwei Jahre dauernde Verhandlungsphase begann, die im Jahr 2019 noch dreimal verlängert wurde.
May stellte im Januar 2017 in einer Grundsatzrede einen ZwÜlf-Punkte-Plan fßr einen Brexit ohne EU-Teilmitgliedschaft oder assoziierte Mitgliedschaft vor; das VK sollte demnach aus dem europäischen Binnenmarkt, der Zollunion und aus der Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofs ausscheiden. Am 14. November 2018 einigten sich die EU und die Regierung des VK auf ein entsprechendes Austrittsabkommen.
Die fĂźr den 11. Dezember 2018 im britischen Unterhaus geplante Abstimmung Ăźber das Austrittsabkommen wurde wegen innenpolitischer Widerstände, insbesondere wegen der sogenannten âBackstopâ-Klausel, die eine harte Grenze zwischen Irland und dem Vereinigten KĂśnigreich verhindern sollte, verschoben, und weitere Nachverhandlungen fanden statt. Bei drei Abstimmungen zwischen Januar und März 2019 stimmte das Unterhaus jeweils mit groĂer Mehrheit gegen das Abkommen. Um einen ungeregelten Austritt am 29. März 2019 zu verhindern, einigten sich der Europäische Rat und die britische Regierung zweimal auf eine Verschiebung des Austrittstermins bis spätestens 31. Oktober 2019. Deshalb musste das VK am 23. Mai an der Europawahl teilnehmen, bei der die 2019 gegrĂźndete Brexit Party auf Anhieb 30,5 % der Stimmen erhielt und als Wahlsieger mit 29 Sitzen ins EU-Parlament einzog.
Im Juli 2019 trat Theresa May von ihrem Amt zurßck und Boris Johnson wurde ihr Nachfolger. Das Unterhaus beschloss Anfang September ein Gesetz, das den Premierminister verpflichtete, eine weitere Verlängerung bei der EU zu beantragen, sollte bis zum 19. Oktober kein Austrittsabkommen ratifiziert worden sein. Am 10. September vertagte KÜnigin Elisabeth II. auf Rat Johnsons fßr eine ungewÜhnlich lange Zeitspanne das Parlament mit einer Prorogation, was am 24. September vom Supreme Court fßr rechtswidrig erklärt wurde. Am 17. Oktober einigten sich die britische Regierung und die EU auf ein erneut nachverhandeltes Abkommen, das nun keinen Backstop mehr vorsieht. Da das Unterhaus die Abstimmung am 19. Oktober vertagte, war Johnson gezwungen, eine neuerliche Verschiebung des Austrittsdatums auf den 31. Januar 2020 zu beantragen. Der Europäische Rat gab dem Antrag am 28. Oktober statt. Daraufhin beschloss das Unterhaus eine vorgezogene Neuwahl fßr den 12. Dezember. Bei dieser erhielt die Conservative Party eine absolute Mehrheit der Unterhaussitze. Im Januar 2020 stimmten das britische Parlament und das EU-Parlament dem Brexit-Abkommen zu, mit dem das VK am 31. Januar 2020 um 23 Uhr UTC (24 Uhr MEZ) aus der Europäischen Union und EURATOM austrat, jedoch bis Ende 2020 Teil des EU-Binnenmarkts und der Zollunion blieb.
Prognosen zufolge wßrde der Brexit insbesondere die Wirtschaft des VK treffen; diese war durch die COVID-19-Pandemie seit März 2020 ohnehin schon in einer Rezession. Es wßrden auch signifikante Auswirkungen auf die EU erwartet, speziell auf Deutschland und andere mit dem VK stark verflochtene EU-Länder.
Mit dem am 30. Dezember 2020 unterzeichneten und am 1. Januar 2021 vorläufig in Kraft getretenen Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten KÜnigreich ist der EU-Austritt nun in rechtlicher Hinsicht vorerst geklärt. Am 27. Februar 2023 verkßndigten die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der britische Premierminister Rishi Sunak das Windsor-Abkommen, das Nordirland freien Handelszugang sowohl zum EU-Binnenmarkt als auch zum britischen Markt gewährt und das das nordirische Parlament mit einem Vetorecht gegen neue EU-Regeln ausstattet.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]
Contents
⢠Begriff Brexit
⢠Chronik
⢠2016
⢠2017
⢠2018
⢠2019
⢠2020
⢠2021
⢠2023
⢠AuslÜser 2011
⢠Hintergrund
⢠Investitionen
⢠Unterhändler
⢠Europawahl 2019
⢠Wirtschaft
⢠Territorium
⢠Trivia
⢠Fernsehfilm
⢠Dokumentarfilme
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Begriff Brexit
Als Kurzbezeichnung fĂźr den Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs aus der Europäischen Union ist weltweit das Kunst- und Kofferwort Brexit etabliert â eine Verschmelzung von British und exit (deutsch britischer Austritt). Der Duden ordnet die Bezeichnung Brexit als Politikjargon ein.cite-ref-6[6] Nach Auftauchen des Wortes Grexit fĂźr den eventuellen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Währungsraum im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde eine Reihe ähnlicher Begriffe gebildet,cite-ref-7[7] vorrangig durch Printmedien.
Brexit-FĂźrsprecher werden gelegentlich Brexiteers (Wortbildung nach buccaneer, deutsch Freibeuter) oder Leavers (deutsch Abgänger) genannt, Brexit-Gegner Remainers sowie abwertend Remoaners (Kofferwort aus remainer âVerbleiberâ und moan âjammernâ) oder Bremoaners.cite-ref-10[10]
2019 wurde brexiten Ăsterreichisches Jugendwort des Jahres.
Chronik
2016
⢠20. Februar: Der britische Premierminister David Cameron gibt den Zeitpunkt des Referendums ßber einen Austritt aus der EU bekannt.
⢠13. April: Eine Wahlkommission erkennt zwei Vereinigungen als Kampagnen-Organisationen an, nämlich Vote Leave und Britain Stronger in Europe.
⢠23. Juni: Beim Referendum ßber einen Austritt des Vereinigten KÜnigreichs aus der EU entscheiden sich knapp 52 % der Wähler fßr einen Austritt.
⢠24. Juni: Premierminister Cameron kßndigt seinen Rßcktritt fßr Oktober 2016 an.
⢠13. Juli: Die ursprßngliche Brexit-Gegnerin Theresa May wird zur neuen Premierministerin ernannt. Der Brexit-Befßrworter David Davis wird Minister fßr den Austritt aus der Europäischen Union.
2017
⢠1. Februar: Das Unterhaus ermächtigt die britische Regierung per Gesetz zur Einreichung eines Austrittsantrags bei der EU.
⢠1. März: Das britische Oberhaus stellt zum Brexit-Gesetz einen Ănderungsantrag.
⢠13. März: Das Unterhaus verweigert den Ănderungsantrag zum Brexit-Gesetz. Das Oberhaus akzeptiert das ursprĂźngliche Brexit-Gesetz.
⢠29. März: Offizieller Austrittsantrag des Vereinigten KÜnigreichs an die EU nach Artikel 50. Das Vereinigte KÜnigreich und die EU haben bis zum 29. März 2019 Zeit, ßber die Austrittsmodalitäten zu verhandeln.
⢠18. April: Vorgezogene Neuwahl fßr das Unterhaus wird angekßndigt.
⢠8. Juni: Das Unterhaus wird neu gewählt.
⢠15. Dezember: Der Rat der Europäischen Union stellt fest, dass die erforderlichen Fortschritte zu den Punkten Austrittsbetrag, BĂźrger im Ausland sowie irische Grenze erreicht sind, und beschlieĂt, in die Zweite Verhandlungsrunde einzutreten.
2018
⢠20. Juni: Das Austrittsgesetz tritt in Kraft. Es sorgt dafßr, dass nach dem Austritt die europäischen Regeln zu britischen Regeln werden, so dass das Vereinigte KÜnigreich sie abändern kann.
⢠9. Juli: Dominic Raab wird Minister fßr den Austritt aus der Europäischen Union.
⢠13. November: Die Europäische Kommission verÜffentlicht einen Notfallplan fßr den Fall des Austritts ohne Abkommen.
⢠14. November: Die Europäische Kommission und die britische Regierung präsentieren den Entwurf fßr ein Austrittsabkommen.
⢠16. November: Stephen Barclay wird Minister fßr den Austritt aus der Europäischen Union.
⢠25. November: Der Europäische Rat billigt den Text des Austrittsabkommens als Verhandlungsergebnis, der zunächst dem Parlament des Vereinigten KÜnigreichs und nach dessen Zustimmung dem Europäischen Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden soll.
⢠10. Dezember: Die britische Regierung setzt die fßr den 11. Dezember geplante Abstimmung zum Abkommen im Unterhaus ab, da May eine Niederlage befßrchtet. Sie bemßht sich in der Folge vergeblich um weitere Zugeständnisse der EU.
2019
⢠15. Januar: Das Unterhaus entscheidet sich gegen das Austrittsabkommen (432:202 Stimmen).
⢠12. März: Das Unterhaus entscheidet sich erneut gegen das Austrittsabkommen (391:242 Stimmen).
⢠13. März: Das Unterhaus lehnt einen EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs ohne Abkommen ab (321:278 Stimmen), nachdem durch einen zuvor angenommenen Ănderungsantrag (312:308 Stimmen) die zeitliche Einschränkung aus dem Hauptantrag entfernt wurde.
⢠14. März: Das Unterhaus lehnt ein zweites Referendum ßber den Verbleib in der EU ab (85:334 Stimmen). Des Weiteren lehnt das Unterhaus ab, dass das Parlament anstelle der Regierung die Tagesordnung des Parlaments bestimmt (312:314 Stimmen).cite-ref-11[11] Ein Antrag der Regierung, dass sie beauftragt wird, mit der EU um eine Verschiebung des Austrittstermins um mindestens drei Monate zu verhandeln, wird angenommen (412:202 Stimmen).cite-ref-12[12]
⢠20./21. März: Premierministerin May bittet die Europäische Union um einen Brexit-Aufschub bis zum 30. Juni 2019cite-ref-13[13] und einigt sich mit dem Europäischen Rat auf eine Verschiebung bis mindestens zum 12. April.
⢠29. März: Das Unterhaus entscheidet sich gegen die Annahme der Austrittsmodalitäten des Austrittsabkommens (344:286 Stimmen).cite-ref-14[14]
⢠5. April: Premierministerin May bittet die Europäische Union erneut um einen Brexit-Aufschub bis zum 30. Juni 2019.
⢠10. April: Das Gipfeltreffen der EU-27 mit Premierministerin May in Brßssel billigt den Vorschlag, dem Vereinigten KÜnigreich bis zum 31. Oktober 2019 Zeit zu geben, den ausgehandelten Vertrag anzunehmen. Anderenfalls erfolgt zum 31. Oktober der ungeregelte Austritt des Vereinigten KÜnigreichs aus der EU.
⢠11. April: Das Vereinigte KÜnigreich verkßndet, am 26. Mai 2019 an den Wahlen zum EU-Parlament teilzunehmen.
⢠24. Mai: Premierministerin May kßndigt ihren Rßcktritt als Parteichefin der Konservativen Partei fßr den 7. Juni an.cite-ref-15[15]
⢠24. Juli: Boris Johnson wird neuer Premierminister und benennt sein neues Kabinett. Er verspricht den Brexit fĂźr den 31. Oktober â und zwar unter allen Umständen (âdo or dieâ).
⢠28. August: Premierminister Johnson verkßndet eine Unterbrechung der laufenden Sitzungsperiode des Parlaments (sog. Prorogation) vom 10. September bis zum 10. Oktober.
⢠3. September: Die britische Regierung verliert während der laufenden Parlamentssitzung durch den Fraktionswechsel des Tory-Parlamentsabgeordneten Phillip Lee zu den pro-europäischen Liberalen ihre Mehrheit im Unterhaus.cite-ref-16[16]
⢠9. September: Das Parlament verabschiedet mit 311:302 Stimmencite-ref-17[17] ein Gesetz, das die britische Regierung dazu verpflichtet, bei der EU erneut eine Verschiebung des Austritts ßber den 31. Oktober hinaus zu beantragen, sofern bis zum 19. Oktober kein Austrittsabkommen mit der EU verabschiedet wird.cite-ref-18[18]
⢠9. September: Zum Ende des Tages wird die laufende Sitzungsperiode des Parlaments unterbrochen. Der planmäĂige nächste Sitzungstag ist der 14. Oktober.
⢠24. September: Der Oberste Gerichtshof des Vereinigten KÜnigreichs erklärt die Unterbrechung der Sitzungsperiode des Parlaments als verfassungswidrig und damit nichtig.cite-ref-bbc-suspending-parliament-was-unlawful-19-0[19] John Bercow, Sprecher des Unterhauses, erklärt daraufhin, dass das Parlament am 25. September seine Arbeit wieder aufnimmt.
⢠17. Oktober: Der Europäische Rat (alle Regierungschefs inkl. dem Vereinigten KĂśnigreich) einigt sich auf Ănderungen des vorliegenden Austrittsvertrags vom November 2018.cite-ref-20[20] Dieser sieht nun u. a. statt dem Backstop eine Regelung vor, in der fĂźr die EU bestimmte GĂźter bereits in GroĂbritannien verzollt und kontrolliert werden.cite-ref-21[21]
⢠19. Oktober: Das Unterhaus vertagt die Abstimmung ßber das neue Abkommen und zwingt damit Johnson, erneut eine Verschiebung des Brexit-Termins beim Europäischen Rat zu beantragen. Johnson schickt einen Antrag auf Verlängerung an Donald Tusk und ein weiteres Schreiben, in dem er um die Ablehnung der Verlängerung bittet.cite-ref-22[22]
⢠21. Oktober: Die britische Regierung verÜffentlicht einen Entwurf fßr das Brexit-Gesetz.
⢠28. Oktober: Der Europäische Rat einigt sich auf eine weitere Verschiebung des Austrittsdatums auf den 31. Januar 2020, mit der Option eines frßheren Austretens fßr den Fall, dass der Austrittsvertrag frßher ratifiziert wird.cite-ref-spiegel-de-einigung-ber-dritte-verschiebung-25-0[25] Am nächsten Tag liegt der formale Beschluss vor.
⢠29. Oktober: Das Unterhaus beschlieĂt mit 438:20 Stimmen eine Neuwahl fĂźr den 12. Dezember.
⢠12. Dezember: Bei der Wahl zum Britischen Unterhaus erhält die Conservative Party von Premierminister Johnson die absolute Mehrheit der Sitze.
⢠20. Dezember: Das Unterhaus nimmt den Gesetzesvorschlag zum EU-Austritt mit 353:243 Stimmen an. Alle 352 Abgeordnete der Conservative Party und die Labour-Abgeordnete Emma Lewell-Buck stimmen fßr die Annahme des Gesetzes.cite-ref-26[26]
2020
⢠22. Januar: Das von Boris Johnson vorgeschlagene britische Gesetz zum EU-Austritt nimmt mit der Zustimmung im Oberhaus die letzte HĂźrde im britischen Parlament. Zuvor hatte das Oberhaus versucht, mehrere Ănderungen einzubringen, die aber vom Unterhaus zurĂźckgewiesen wurden.cite-ref-27[27] Mit dem Royal Assent am nächsten Tag erlangt der European Union (Withdrawal Agreement) Act 2020 Rechtskraft.
⢠24. Januar: Das Austrittsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten KĂśnigreich wird zuerst in BrĂźssel von Ursula von der Leyen (Präsidentin der Europäischen Kommission) und Charles Michel (Präsident des Europäischen Rates) unterzeichnet, anschlieĂend von Premierminister Boris Johnson an seinem Amtssitz in London.
⢠29. Januar: Das EU-Parlament ratifiziert mit 621:49 Stimmen das Brexit-Abkommen und verabschiedet das austretende Mitglied mit dem Absingen von Auld Lang Syne.cite-ref-28[28]
⢠31. Januar: Um 23.00 UTC (24.00 MEZ) wird das Austrittsabkommen wirksam. Das Vereinigte KÜnigreich gilt fßr die EU nun als Drittstaat.
⢠Oktober: Das britische Oberhaus (House of Lords) lehnt das umstrittene Binnenmarktgesetz (Internal Market Bill) ab, mit dem die Regierung Johnson den gßltigen Brexit-Deal aushebeln will.
⢠7. November: Ursula von der Leyen und Johnson verhandeln ßber ein Post-Brexit-Handelsabkommen.cite-ref-29[29]
⢠9. November: Das britische Oberhaus lehnt das umstrittene Binnenmarktgesetz mit 433 zu 165 Stimmen erneut ab.cite-ref-30[30]
⢠24. Dezember: Eine Grundsatzvereinbarung ßber ein Handels- und Kooperationsabkommen wurde erzielt. Die Regierungen aller EU-Mitgliedsstaaten und in einigen Fällen auch deren Parlamente, das Europäische und das britische Parlament mßssen dem Abkommen noch zustimmen.
⢠30. Dezember: EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel unterzeichnen das Handels- und Kooperationsabkommen.cite-ref-31[31] Das britische Unterhaus votiert ebenfalls fßr das Abkommen.cite-ref-32[32] Die Landesparlamente von Schottland und Nordirland stimmten gegen das Abkommen. Das Landesparlament von Wales stimmte fßr das Abkommen. Diese Entscheidungen der Landesparlamente hatten lediglich Symbolwert.cite-ref-33[33]
⢠31. Dezember: KĂśnigin Elisabeth II. setzt das Gesetz zur Anwendung des Handels- und Kooperationsabkommen in Kraft.cite-ref-34[34] Die Regierungen von GroĂbritannien und Spanien entscheiden, dass das britische Ăberseegebiet Gibraltar dem Schengen-Raum beitritt.cite-ref-35[35]
2021
⢠1. Januar: Die seit dem 1. Februar 2020 gĂźltige Ăbergangsphase endet. Das Vereinigte KĂśnigreich hat den EU-Binnenmarkt und die Zollunion verlassen. Das Handels- und Kooperationsabkommen findet vorläufig Anwendung.
⢠erstes Quartal 2021: das Handelsvolumen zwischen GroĂbritannien und den EU-Ländern ist 23,1 Prozent geringer als im ersten Quartal 2018 (das als letzte stabile Handelsperiode vor dem Brexit gilt). Der Handel mit nichteuropäischen Ländern ging im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozent zurĂźck.cite-ref-36[36]
⢠27. April: Das EU-Parlament stimmt dem Abkommen zu.cite-ref-37[37]
⢠19. Mai: die Gespräche zwischen der britischen Regierung und der US-Regierung ßber die Handelsabkommen stagnieren.cite-ref-38[38]
⢠9. Juli 2021: laut neuem EU-Haushaltsbericht 2020 wird die HĂśhe der BREXIT-Ausrittsrechnung mit 47,5 Milliarden Euro beziffert. GroĂbritannien meint, sie solle 35 bis 39 Milliarden Pfund (41 bis 45,6 Milliarden Euro) betragen.cite-ref-39[39]
⢠Mitte September 2021: die Regierung Johnson II verschiebt erneut die ab dem 1. Januar 2022 geplanten Kontrollen von Waren, die aus EU-Ländern nach GroĂbritannien importiert werden. Der britische Brexit-Beauftragte David Frost äuĂert, die COVID-19-Pandemie habe langfristigere Auswirkungen auf Unternehmen gehabt als ein halbes Jahr zuvor vermutet. GrĂźnde fĂźr die Verschiebung sind offenbar, dass der Handel mit frischen Lebensmitteln leidet, dass Lastwagenfahrer fehlen und dass Transportkosten gestiegen sind. AuĂerdem verschärft sich die Nordirland-Frage.cite-ref-40[40]
⢠Oktober 2021: Die EU kĂźndigt MaĂnahmen an, mit denen die Zollerklärungen im Handel zwischen GroĂbritannien und der Provinz Nordirland halbiert werden kĂśnnen.cite-ref-41[41]
⢠18. Dezember 2021: Der britische Brexit-Minister David Frost reicht seinen RĂźcktritt ein. Als Grund nennt er die Unzufriedenheit mit den von seiner Regierung beschlossenen MaĂnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie. UrsprĂźnglich sei vereinbart gewesen, dass er bis Januar 2022 im Amt bleibe.cite-ref-42[42] Am 20. Dezember wird bekannt, dass Liz Truss, die britische AuĂenministerin, das Brexit-Portfolio Ăźbernehmen wird. Aufgrund ihres breiten Verantwortungsspektrums kommt ihrem Stellvertreter Chris Heaton-Harris eine SchlĂźsselrolle zu. Das Politik-Magazin Politico zitiert Diplomaten auf der EU-Seite, die den RĂźcktritt Frosts begrĂźĂen, sich allerdings abwartend äuĂerten, ob und welche Auswirkungen dies auf die Verhandlungen haben wird. Zudem wird Liz Truss als mĂśgliche Nachfolgerin Boris Johnsons als Premierministerin gehandelt, was Einfluss auf ihre Haltung haben kĂśnnte.cite-ref-43[43]
⢠Ende 2021: Das unabhängige Office for Budget Responsability (Komitee fĂźr die Haushaltsplanung, OBR) schätzt, dass der Brexit GroĂbritannien langfristig jährlich etwa vier Prozent an Wirtschaftskraft kosten wird, die COVID-19-Pandemie nur 1,5 Prozent. Die im KĂśnigreich vielfach diskutierte Migration spielte faktisch keine nennenswerte Rolle.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]
⢠80.000 .eu-Domains, die auf britische BĂźrger oder Organisationen registriert waren, wurden deaktiviert. Um eine .eu-Domain zu besitzen, muss ein Wohnsitz in der EU angegeben werden oder der Besitzer muss EU-BĂźrger sein. Organisationen, die eine .eu-Domain besitzen, mĂźssen in einem EU-Land registriert sein, darunter die den Austritt befĂźrwortende Domain âLeave.euâ.cite-ref-46[46]
2023
⢠Am 27. Februar 2023 verkßndigten der britische Premierminister Rishi Sunak und die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Windsor-Abkommen, das Nordirland freien Handelszugang sowohl zum EU-Binnenmarkt als auch zum britischen Markt gewährt und das das nordirische Parlament mit einem Vetorecht gegen neue EU-Regeln ausstattet.cite-ref-47[47]cite-ref-48[48]cite-ref-49[49]
EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016
â
Hauptartikel
:
EU-Mitgliedschaftsreferendum im Vereinigten KĂśnigreich 2016
AuslĂśser 2011
David Cameron von der Konservativen Partei amtierte seit der Unterhauswahl 2010 als britischer Premierminister. Nach Camerons eigenen Angaben (in der 2019 ausgestrahlten BBC-Dokumentation The Cameron Years) war ein EU-Gipfel am 8. Dezember 2011 AuslĂśser fĂźr sein Versprechen eines Brexit-Referendums. An diesem Tag hatten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy eine Ănderung des Lissabon-Vertrags gefordert, um den Euro zu stabilisieren. Cameron wollte dem nur zustimmen, wenn die anvisierte Vertragsänderung auch britische Interessen berĂźcksichtigte, was aber Merkel und Sarkozy ablehnten. Cameron legte daraufhin sein Veto gegen eine Ănderung des EU-Vertrages ein. Nichtsdestotrotz vereinbarte eine Mehrheit der EU-Länder einen Untervertrag zur Stabilisierung des Euros (ESM). In Camerons Worten bedeutete dieses Ignorieren eines Vetos, dass die âLage des Vereinigten KĂśnigreiches in der EU eigentlich zutieftst unstabilâ war, und kam Ăźber Weihnachten 2011 zum Schluss, dass âwir in der Tat versuchen mussten, die Instabilität von Britanniens Position innerhalb der EU zu ankern, sichern und ordnen, und ich traf die Entscheidung, dass es Zeit war, sich in Richtung eines Referendums zu bewegen.âcite-ref-50[50]cite-ref-51[51]
Hintergrund
Am 23. Januar 2013 kßndigte Cameron an, im Fall seiner Wiederwahl im Mai 2015 werde er spätestens im Jahr 2017 ein Referendum ßber ein Fortdauern der EU-Mitgliedschaft des Vereinigten KÜnigreichs abhalten lassen.cite-ref-52[52] Zuvor wolle er aber mit den europäischen Partnern verhandeln, um eine Reform der EU insbesondere in Bezug auf Einwanderung und staatliche Souveränität zu erreichen.cite-ref-53[53]
Cameron war zuvor durch Wahlerfolge der UK Independence Party (UKIP), die den Austritt aus der EU forderte und ihre Anhänger auch aus dem Wählerpotential der Konservativen Partei bezog, unter Druck geraten. Bei der Europawahl 2014 wurde UKIP mit 27,5 % erstmals stärkste Kraft im Vereinigten KÜnigreich.cite-ref-54[54] Bei der Unterhauswahl 2015 gewann sie fast vier Millionen Stimmen (12,6 %), die jedoch bedingt durch das britische Wahlsystem in nur einen von 650 Unterhaussitzen mßndeten. Die Konservativen gewannen somit trotzdem die absolute Mehrheit der Sitze.cite-ref-55[55]
Reformverhandlungen mit der EU
Ende Januar 2016 begann die Schlussphase der Verhandlungen zwischen dem Vereinigten KĂśnigreich und der EU.cite-ref-58[58] Beim abschlieĂenden Gipfeltreffen am 18. und 19. Februar in BrĂźssel kam eine Einigung zustande.cite-ref-59[59] Die zentrale Reformforderung zur Begrenzung der Einwanderung aus EU-Mitgliedstaaten (die dem Grundrecht auf FreizĂźgigkeit widersprach) wurde so gelĂśst, dass jedes EU-Land einen Einwanderungsnotstand beantragen dĂźrfe; bei Genehmigung durch die EU-Kommission dĂźrfe das betroffene EU-Land dann vier Jahre lang reduzierte Sozialleistungen an neu ankommende EU-Ausländer zahlen. Am 20. Februar gab Cameron in London dann den 23. Juni 2016 als Termin fĂźr das Referendum bekannt und empfahl, fĂźr einen Verbleib in der EU zu stimmen.cite-ref-faz-20-feb-60-0[60]
Reaktion und Umfragen vor dem Referendum
Dem frĂźheren BĂźrgermeister Londons, Boris Johnson, ebenfalls von der Konservativen Partei, gingen die Reformen nicht weit genug. Hatte er noch zwei Tage zuvor eindringlich fĂźr einen Verbleib in der EU plädiert,cite-ref-61[61] so erklärte er am 21. Februar 2016, dass er sich der Kampagne fĂźr den EU-Austritt anschlieĂe,cite-ref-62[62] Die Ăźberragende Bedeutung der UnterstĂźtzung durch Johnson fĂźr das Lager der Brexit-BefĂźrworter bestand vor allem darin, dass er sie salonfähig machte und von dem Verdacht befreite, extremistische Positionen zu vertreten.cite-ref-63[63] Johnson war zu diesem Zeitpunkt der populärste Politiker des Landes und genoss weithin groĂes Vertrauen. In der Kampagne stellte er selbst immer wieder seine Internationalität heraus, um dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit zu begegnen. âIch kann Romane auf FranzĂśsisch lesen und die Ode an die Freude auf Deutsch singenâ, sagte er.cite-ref-64[64]
Die Immigration wurde zu einem Hauptthema in der politischen Auseinandersetzung.cite-ref-65[65] Die Brexit-Befßrworter argumentierten, dass das Vereinigte KÜnigreich die Kontrolle ßber seine Grenzen zurßckgewinnen mßsse, um die Zuwanderung einzudämmen. Johnson und seine Mitstreiter betonten, die Einwanderung mßsse nach australischem Vorbild unter Kontrolle gebracht werden. Der Einwanderungskompromiss mit der EU wurde von der Remain-Kampagne hingegen kaum als Argument vorgebracht.cite-ref-66[66]
Auf seinem Kampagnenbus verbreitete Boris Johnson als Parole die umstrittene Behauptung, das KĂśnigreich Ăźberweise der EU jede Woche 350 Millionen Pfund, die man besser in den britischen Gesundheitsdienst investieren kĂśnne.cite-ref-67[67] Tatsächlich betrug die Ăberweisungssumme nur 248 Millionen Pfund pro Woche (wobei diese Reduktion um 30 % auf einen Rabatt beruhte, der stets vor der Ăberweisung abgezogen wurde).cite-ref-68[68] Die Vertreter der Remain-Kampagne (u. a. Premierminister Cameron und sein Schatzkanzler George Osborne) wiesen dagegen auf die Wichtigkeit des EU-Binnenmarktes fĂźr die britische Wirtschaft hin.
Der britische Geschäftsmann Arron Banks unterstßtzte die britische Unabhängigkeitspartei UKIP unter ihrem Vorsitzenden und Europaabgeordneten Nigel Farage und die von ihm mitbegrßndete Brexit-Kampagne Leave.EU mit insgesamt zwÜlf Millionen Pfund, der bisher hÜchsten bekanntgewordenen politischen Spende im Vereinigten KÜnigreich.cite-ref-69[69]
In den meisten Umfragen seit Mitte 2014 hatten sich die Wähler mehrheitlich fßr den Verbleib ihres Landes in der EU ausgesprochen. In den letzten Monaten vor dem Referendum am 23. Juni 2016 zeigten sich jedoch die Lager von Brexit-Befßrwortern und Brexit-Gegnern in Umfragen annähernd gleich stark. Seit Oktober 2015 lagen die Brexit-Gegner stets mit wenigen Prozentpunkten vorn, nur am 12. Mai 2016 und zwischen dem 12. Juni und dem 17. Juni 2016 fßhrten die Brexit-Befßrworter mit knapper Mehrheit.
Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox durch einen fanatischen Nationalisten am 16. Juni 2016, eine Woche vor dem Referendum, schien sich die politische Stimmung gegen die Brexit-Befßrworter zu wenden. Am Tag vor dem Referendum schätzten die Buchmacher der Wettbßros die Wahrscheinlichkeit fßr einen Brexit auf etwa 25 %.cite-ref-70[70] Der Ausgang des Referendums am 23. Juni kam daher fßr viele ßberraschend.cite-ref-71[71]
Entscheidung fĂźr den Austritt
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Hauptartikel
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Wahlergebnisse des Referendums ßber den Verbleib des Vereinigten KÜnigreichs in der Europäischen Union
Beim EU-Mitgliedschaftsreferendum am 23. Juni 2016 betrug die Wahlbeteiligung 72,2 %. 51,89 % der Wähler stimmten fßr den Austritt des Vereinigten KÜnigreichs aus der EU und 48,11 % fßr den Verbleib.cite-ref-72[72] Im EU-freundlichen Schottland und bei der EU-freundlichen jßngeren BevÜlkerung war die Wahlbeteiligung ßberdurchschnittlich niedrig. Das Referendum war eine rein konsultative Volksbefragung und weder fßr die Regierung noch fßr das Parlament bindend.
Politische Entwicklungen nach dem Referendum
RĂźcktritte von Cameron, Hill, Farage
Nach Bekanntgabe des Ergebnisses des Referendums kßndigte David Cameron am 24. Juni 2016 an, bis zum Oktober 2016 zurßckzutreten.cite-ref-73[73] Er werde dem Europäischen Rat am 28. Juni 2016 noch die Entscheidung des britischen Volkes erläutern, aber seinem Nachfolger den Austrittsantrag und die Austrittsverhandlungen ßberlassen.cite-ref-74[74]
Der EU-Kommissar fĂźr Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und KapitalmarktÂunion Lord Jonathan Hill erklärte am 25. Juni seinen RĂźcktritt.cite-ref-75[75]
Schlingerkurs der Labour Party
Dem Vorsitzenden der Labour Party, Jeremy Corbyn, wurde von Parteimitgliedern vorgeworfen, sich allenfalls halbherzig fĂźr die Remain-Kampagne eingesetzt zu haben.cite-ref-77[77] Beispielsweise hatte er am 11. Juni 2016 erklärt, dass seine Zustimmung zur EU bei 70 % oder etwas hĂśher liege.cite-ref-78[78] Die Labour-Abgeordneten sprachen ihm am 28. Juni zwar mit 172 zu 40 Stimmen das Misstrauen aus, allerdings bestätigte anschlieĂend die Labour-Parteibasis am 24. September Corbyn als ParteifĂźhrer mit einem Stimmenanteil von knapp 62 %.cite-ref-labourlistresult-79-0[79]
Nachdem Corbyn zunächst die Linie vertreten hatte, dass er das Referendum der BĂźrger zum Brexit akzeptiere, zeigte er sich ab September 2018 offen gegenĂźber einem neuen Brexitvotum, da er âals Vorsitzender gewählt worden [sei], um mehr innerparteiliche Demokratie bei Labour umzusetzenâ. Insofern beuge er sich dem Beschluss der Parteicite-ref-dtlfunk-80-0[80], die ein zweites Brexit-Referendum fordert.cite-ref-81[81]
Theresa May als neue Premierministerin
Nach der AnkĂźndigung des RĂźcktritts von David Cameron begann die parteiinterne Bewerbung um seine Nachfolge als Parteivorsitzender und Premierminister. Bei dem Auswahlverfahren schieden die aussichtsreichen Kandidaten Boris Johnson, Michael Gove und Andrea Leadsom aus, und Theresa May wurde am 11. Juli 2016 Parteivorsitzende.cite-ref-82[82]
Am 13. Juli ernannte Queen Elisabeth II. Theresa May zur Premierministerin des Vereinigten KĂśnigreichs.cite-ref-83[83] May besetzte 15 von 18 Ministerposten neu und band in ihr Kabinett sowohl Brexit-BefĂźrworter als auch bisherige Brexit-Gegner ein. Als prominente EU-Skeptiker wurden Boris Johnson AuĂenminister, David Davis Minister fĂźr das Verlassen der Europäischen Union und Liam Fox Minister fĂźr internationalen Handel.cite-ref-84[84] Am 20. Juli teilte May dem EU-Ratspräsidenten Donald Tusk mit, das Vereinigte KĂśnigreich verzichte auf die turnusmäĂige EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2017.cite-ref-85[85]
Reaktionen in Schottland
Die schottische Erste Ministerin Nicola Sturgeon (Schottische Nationalpartei, SNP) sagte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses, dass ein erneutes Referendum in Schottland ßber den Verbleib im Vereinigten KÜnigreich sehr wahrscheinlich sei. Das in Schottland erzielte Ergebnis von circa 60 % pro EU-Verbleib zeige, dass das schottische Volk seine Zukunft als Teil der Europäischen Union sehe.cite-ref-86[86]
Am 25. Juni 2016 beganncite-ref-87[87] die Regierung Schottlands mit den Vorbereitungsarbeiten fĂźr ein mĂśgliches zweites Unabhängigkeitsreferendum. Allerdings stehen Abstimmungen zur Frage der schottischen Unabhängigkeit unter dem Vorbehalt der Legislative des Vereinigten KĂśnigreichs. Die GesetzmäĂigkeit einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung Schottlands war bereits beim Referendum 2014 umstritten. Damals ermächtigte das Parlament in London die schottische Regierung ausnahmsweise zur DurchfĂźhrung eines solchen Referendums.
Am 20. Oktober 2016 publizierte die schottische Regierung einen Gesetzentwurf fĂźr ein zweites Unabhängigkeitsreferendum;cite-ref-88[88] am 13. März 2017 kĂźndigte Nicola Sturgeon einen Gesetzentwurf fĂźr ein zweites Unabhängigkeitsreferendum im schottischen Parlament an. Am 28. März 2017 ermächtigte das schottische Parlament Nicola Sturgeon, ein neues Referendum in London anzufragen,cite-ref-89[89] die es jedoch verschob, nachdem die SNP bei der vorgezogenen Neuwahl zum Unterhaus 21 ihrer 56 Mandate verloren hatte,cite-ref-90[90] und auch Umfragen in Schottland regelmäĂig eine Mehrheit gegen ein zweites Unabhängigkeitsreferendum erbrachten.cite-ref-91[91]
Reaktionen in der EU
Der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker dankte am 28. Juni David Cameron fĂźr erworbene europäische Verdienste und griff den anwesenden EU-Parlamentarier Nigel Farage, einen prominenten Vertreter der britischen Leave-Kampagne, mit der Frage an: âWarum sind Sie hier?âcite-ref-92[92] Bei der Sitzung am folgenden Tage fehlte das Vereinigte KĂśnigreich; die schottische Regierungschefin machte einen HĂśflichkeitsbesuch. Man vertagte sich ohne konkrete BeschlĂźsse bis zum September.
Obwohl sich Juncker, der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz und der deutsche Bundesminister der Finanzen Wolfgang Schäuble fĂźr eine vertiefte Europäische Integration ausgesprochen hatten, stärkte das Referendum-Ergebnis zunächst die Gegner einer engeren Zusammenarbeit.cite-ref-93[93] Mit Blick auf das Referendum verwahrte sich Jeroen Dijsselbloem, Präsident der Euro-Gruppe, vor âneuen gewagten Schritten fĂźr weitere Integrationâ.cite-ref-94[94]
Am Rande der ersten EU-Konferenz ohne das Vereinigte KĂśnigreich am 17. September 2016 in Bratislava drohte der slowakische Premierminister Robert Fico mit einem Veto gegen jegliches Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten KĂśnigreich, wenn nicht alle nach dorthin ausgewanderten EU-BĂźrger als gleichwertige BĂźrger anerkannt werden.cite-ref-95[95]
Juncker und der franzĂśsische Präsident François Hollande befĂźrworteten im Oktober 2016 Härte in den Brexitverhandlungen, es mĂźsse eine âDrohung, ein Risiko, einen Preisâ geben, um Nachahmer in der verbleibenden EU abzuschrecken und so das Ende der EU zu verhindern.cite-ref-96[96] Maltas Premierminister Joseph Muscat sagte am 5. Oktober 2016, die 27 verbleibenden EU-Staaten wĂźrden eine Einheitsfront bilden, und das Vereinigte KĂśnigreich solle erwarten, von ihr genauso behandelt zu werden wie Griechenland.cite-ref-97[97]
FĂźnf Tage nach dem Referendum stellte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Deutschen Bundestag hinter die EU-Verhandlungsposition: das Vereinigte KĂśnigreich dĂźrfe nur dann im Binnenmarkt bleiben, wenn es die PersonenfreizĂźgigkeit fĂźr EU-BĂźrger akzeptiert. Sie bekräftigte den Zusammenhang des freien Verkehrs von GĂźtern, Kapital, Dienstleistungen und Personen.cite-ref-98[98] Der CDU-AuĂenexperte Norbert RĂśttgen warb fĂźr eine neuartige Wirtschaftspartnerschaft der Europäischen Union mit dem Vereinigten KĂśnigreich nach dem Brexit.cite-ref-99[99]
Markus Kerber, Hauptgeschäftsfßhrer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), sprach sich gegen Strafaktionen aus. Demgegenßber wies Angela Merkel in einer Ansprache vor dem BDI darauf hin, dass die Verteidigung der Arbeitnehmerfreizßgigkeit in der EU Vorrang vor deutschen Industrieinteressen habe. Sie deutete Mitte November 2016 einen Kompromiss in der Einwanderungsfrage bei den Brexitverhandlungen an, wonach EU-Staaten ihre Sozialsysteme schßtzen mßssten.cite-ref-100[100] Bereits im Oktober hatte Arbeitsministerin Andrea Nahles einseitig die Einwanderung von EU-Ausländern in das deutsche Sozialsystem erschwert, analog zum gescheiterten EU-Einwanderungskompromiss mit David Cameron.cite-ref-101[101]
Unterhauswahl 2017
Am 18. April 2017 kĂźndigte Premierministerin May die vorgezogene Neuwahl des Unterhauses fĂźr den 8. Juni 2017 an,cite-ref-102[102] um vor den Brexit-Verhandlungen die internen Differenzen im Parlament zu Ăźberwinden.cite-ref-103[103] Trotz zeitweise deutlichen Vorsprungs der Konservativen in den Umfragen resultierte die Wahl jedoch in einem Hung parliament, bei dem keine Partei die absolute Mehrheit der Sitze erhielt, mit Stimmenverlusten fĂźr UKIP und die SNP. Die Konservativen verloren trotz starker Stimmenengewinne Mandate, sodass May eine Minderheitsregierung bildete, die von der nordirischen Democratic Unionist Party unterstĂźtzt wurde (confidence-and-supply agreement), ohne jedoch eine formale Koalition einzugehen.cite-ref-104[104]
Gegenreaktionen nach dem Referendum
Umfragen
Bei einer Meinungsumfrage am 21. Oktober 2019 antworteten die Briten auf die Frage âGlauben Sie im Nachhinein, dass es richtig oder falsch war, dass die Briten fĂźr den Brexit gestimmt haben?â zu 41 % mit richtig und zu 47 % mit falsch; am 2. August 2016 war das Ergebnis: 46% richtig und 42 % falsch.cite-ref-105[105] Nach einer zum Jahreswechsel 2022/2023 bekannt gewordenen Meinungsumfrage sind nur noch 20 % der Briten der Meinung, dass der Ausstieg aus der Europäischen Union gut fĂźr ihr Land war. Unter jenen, die damals fĂźr den Brexit gestimmt haben, bereuen zwei Drittel ihre Entscheidung.cite-ref-106[106]
Die Umfragen zum mĂśglichen Abstimmungsverhalten bei einem zweiten Referendum zeigten zwischen Januar 2018 und Oktober 2019 durchschnittlich einen leichten Vorsprung der BefĂźrworter des Verbleibs in der EU in der GrĂśĂenordnung von 5 % vor den BefĂźrwortern des EU-Austritts (Durchschnittsergebnis aus sechs Umfragen).cite-ref-107[107] Im Juli 2023 ist der durchschnittliche Vorsprung der BefĂźrworter eines Wiedereintritts auf 16 % angewachsen.cite-ref-108[108]
Der Stimmungswechsel seit dem Referendum wurde mit mehreren Faktoren erklärt. Unter denjenigen Befragten, die beim Referendum 2016 nicht abgestimmt hatten (zum Beispiel weil sie noch zu jung waren), die bei einem zweiten Referendum aber abstimmen wĂźrden, waren die BefĂźrworter eines Verbleibs in der EU mit einem Verhältnis von mehr als 2,5:1 in der Mehrheit. Unter denen, die 2016 fĂźr den Brexit gestimmt hatten, zog ein etwas grĂśĂerer Anteil ihre damalige Meinung in Zweifel als unter denjenigen, die fĂźr den Verbleib in der EU gestimmt hatten. Als wesentlicher Faktor gilt dabei, dass die Befragten die wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts im Lauf der Zeit tendenziell pessimistischer einschätzten.cite-ref-109[109]
Petitionen fĂźr ein zweites Referendum 2016 und 2019
Bereits vier Wochen vor dem Referendum war eine Petition im Internet gestartet worden, die eine Wiederholung des Referendums fĂźr den Fall forderte, dass die Wahlbeteiligung geringer sei als 75 % und keine der beiden Abstimmungsoptionen 60 % Zustimmung erreiche.cite-ref-110[110] Das Ergebnis des Referendums erfĂźllte beide Bedingungen.
Bis zum 10. Juli gaben mehr als vier Millionen Internet-User der Petition ihre Stimme, woraufhin am 5. September eine dreistĂźndige parlamentarischen Debatte in Westminster Hall stattfand, die aber folgenlos blieb.cite-ref-111[111] Schon am 9. Juli hatte das AuĂenministerium mitgeteilt, dass die Regierung das Anliegen der Petition ablehne; das Ergebnis des Referendums vom 23. Juni mĂźsse respektiert und umgesetzt werden.cite-ref-112[112]
Bis 2018 forderten der ehemalige Vize-Premierminister Nick Clegg, der ehemaligen Premierminister Tony Blair und die Labour-Partei ein zweites Referendum.cite-ref-113[113]cite-ref-114[114]cite-ref-115[115] Bei zwei Testabstimmungen im Unterhaus am 27. März 2019 und am 1. April 2019 wurde der Vorschlag, ein zweites Referendum durchzufßhren, mit 27 Stimmen bzw. 12 Stimmen Mehrheit abgelehnt (siehe unten).
Am 20. Februar 2019 startete die Britin Margaret Georgiadou eine Petition, die den Abbruch des Austrittsprozesses forderte. Die Petition sollte zeigen, dass der Brexit â anders als von der Regierung immer wieder behauptet â nicht mehr der Wille des britischen Volkes sei. Diese Petition wurde von mehr als 6,1 Millionen Unterzeichnern unterstĂźtzt und ist damit die grĂśĂte Petition, die jemals an das britische Parlament gerichtet wurde.cite-ref-116[116]
Am 26. März 2019 betonte die Regierung, dass sie trotz der Petition mit parlamentarischer Unterstßtzung die EU verlassen wolle.cite-ref-117[117]
Am 1. April fand eine folgenlose Debatte in Westminster Hall Ăźber diese und Ăźber zwei weitere Petitionen mit Bezug zum Brexit statt, welche die UnterstĂźtzung von jeweils mehr als 180.000 beziehungsweise 170.000 Unterzeichnern erreicht hatten. Im Januar 2019 hatte es bereits eine vergleichbare Debatte gegeben, nachdem eine Petition mit der Forderung, die EU ohne Austrittsvertrag zu verlassen, mehr als 130.000 Unterschriften erzielt hatte.cite-ref-118[118]
Einfluss auf das politische Klima
Während der Brexit-Diskussion kam es in GroĂbritannien zu einer Zunahme von Gewalt gegenĂźber Abgeordneten, zum einen bei Brexit-BefĂźrwortern und in etwas geringerem AusmaĂ auch bei Brexit-Gegnern.cite-ref-119[119] Einige Abgeordnete traten aus Angst vor Ăbergriffen gegen sich und ihre Familien nicht mehr zur Wahl an.cite-ref-120[120]
Am 20. Oktober 2018 kam es in London zu einer GroĂdemonstration, bei der Ăźber 600.000 Menschen fĂźr ein zweites Referendum zum Brexit demonstrierten.cite-ref-zeit-121-0[121]
Am 23. März 2019 fand in London eine zweite GroĂdemonstration unter dem Motto Put it to the people (âLasst es das Volk entscheidenâ) statt. Schätzungen zufolge war sie mit mehr als einer Million Teilnehmern eine der grĂśĂten Demonstrationen, die jemals im Vereinigten KĂśnigreich stattgefunden haben.cite-ref-122[122]
Unmittelbare wirtschaftliche Folgen nach dem Referendum
Devisenmarkt und Geldpolitik
Am 25. Juni 2016 und erneut am 7. Juli sank der bilaterale Wechselkurs des Pfunds (GBP) zum US-Dollar auf den schwächsten Wert seit 1985.cite-ref-123[123] Im Zeitraum Mai 2015 bis Mai 2016 bĂźĂte das GBP gegen den Euro fast 8 % an Wert ein.cite-ref-124[124] Kurz vor dem Referendum tauschten viele Briten ihre GBP-Guthaben in Währungen um, die als sichere Häfen gelten.cite-ref-125[125] Neben Dollar, Yen und Schweizer Franken verzeichnete Gold hohe Zugewinne.cite-ref-126[126] Die Aktienindizes fielen in Frankfurt um 10 %, in Tokio um 8 %, in London um 5 %cite-ref-127[127] und in New York um 2 %.cite-ref-128[128]
Diese Kursentwicklung ist gßnstig fßr den britischen Tourismussektorcite-ref-129[129] sowie diejenigen Unternehmen, die hauptsächlich fßr den Export produzieren. Alle auf den Export ausgerichteten britischen Unternehmen mßssen durch einen hÜheren Absatz allerdings steigende Herstellungskosten ausgleichen, sofern sie ausländische Halbfabrikate oder Investitionsgßter gegen Fremdwährung beziehen.
Am 27. Juni 2016 stuften die wichtigen Ratingagenturen Standard & Poorâs (S&P) und Fitch Ratings die KreditwĂźrdigkeit des Vereinigten KĂśnigreichs auf AA herab.cite-ref-130[130]
Wegen der nach dem Votum erwarteten KonjunktureintrĂźbung senkte die Bank of England Anfang August 2016 den Leitzins von 0,5 % auf 0,25 % und kĂźndigte den Verkauf von 60 Milliarden Pfund gegen Wertpapiere an, um den Pfundkurs zu drĂźcken.cite-ref-131[131] Als der Pfundkurs bis Oktober 2016 7-jährige Tiefstkurse gegenĂźber dem Euro und 35-jährige Tiefstkurse gegenĂźber dem US-Dollar erreichte, kritisierte die Regierung von Theresa May diese Entscheidungen. Der Gouverneur der Bank, Mark Carney, wies jedoch auf seine verfassungsmäĂige Unabhängigkeit hin und bestand darauf, weiterhin den Pfundkurs niedrig zu halten im Interesse der britischen Wirtschaft, auch unter Inkaufnahme einer hĂśheren Inflation, die insbesondere Lebensmittel betreffen wĂźrde.cite-ref-132[132]
Im Oktober 2016 warnte Standard & Poorâs davor, dass das Pfund seinen Status als Reservewährung zum ersten Mal seit dem frĂźhen 18. Jahrhundert verlieren kĂśnne; dies kĂśnne eintreten, wenn der Anteil des Pfunds an den Währungsportfolios der Zentralbanken, der Ende 2015 bei 4,9 % lag, unter 3 % falle.cite-ref-133[133]
Investitionen
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kam im Juli 2018 zu dem Ergebnis, dass die Auslandsinvestitionen im Vereinigten KÜnigreich seit dem Referendum um 80 % zurßckgegangen sind: nach jährlich 66 Milliarden Euro zwischen 2010 und 2016 wurden 2017 lediglich 15 Milliarden Euro investiert, während in vielen anderen europäischen Staaten die Auslandsinvestitionen im gleichen Jahr deutlich zunahmen.cite-ref-134[134]
Am 13. August 2016 teilte die britische Regierung mit, sie wolle von der EU mitfinanzierte Projekte im Vereinigten KĂśnigreich nicht stoppen, sondern die FinanzierungslĂźcke aus eigenen Mitteln decken, sofern die Finanzierungszusage vor den Autumn Statements 2016 (gewĂśhnlich im November) erfolgt ist.cite-ref-135[135]
Migration und EinbĂźrgerungsfragen
Die Zahl der EU-BĂźrger, die ins Vereinigte KĂśnigreich zuwanderten, fiel bezogen auf den Zeitraum eines Jahres von Oktober 2017 bis September 2018 auf den niedrigsten Stand seit knapp zehn Jahren. Die Netto-Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten erreichte hingegen in diesem Zeitraum mit 261.000 einen HĂśchststand.cite-ref-freiepresse-2019-02-28-136-0[136]
Nach dem Referendum beantragten zahlreiche Briten eine weitere StaatsangehÜrigkeit: Die Zahl der Anträge auf Einbßrgerungen stieg unter anderem in Deutschland, Irland, Portugal und Schweden.cite-ref-137[137] Im Jahr 2017 wurden etwa 14.900 Bßrger des Vereinigten KÜnigreichs in einem weiteren EU-Staat eingebßrgert (127 % mehr als im Vorjahr),cite-ref-138[138] darunter 7.493 in Deutschland.cite-ref-139[139]
Austrittsverfahren unter Premierministerin Theresa May (2016â2018)
Rechtliche Rahmenbestimmungen zum Austrittsverfahren
Die Verhandlungen verlaufen auf zwei Ebenen:cite-ref-140[140] Zum einen wird mit Art. 50 EUV das Mitentscheidungsverfahren bis zum Abschluss eines Austrittsabkommens ausgelÜst. Dieses fällt unter die alleinige Hoheit der EU, so dass ßber den auszuhandelnden Vorschlag der Kommission eine qualifizierte Mehrheit im Rat nach Art. 238 Abs. 2 AEUV ausreichend ist und keine Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten erzielt werden muss. Das bedeutet
⢠72 % der 27 Staaten (EU-Länder auĂer VK, gem. Art. 50 Abs. 4 EUV nicht stimmberechtigt) â d. h. insgesamt 20 Länder stimmen zu;
⢠diese Länder mßssen gleichzeitig mindestens 65 % der GesamtbevÜlkerung der Union ohne das Vereinigte KÜnigreich vertreten.
Art. 50 Abs. 2 EUV bestimmt, dass das EU-Parlament dem Austrittsabkommen zustimmen muss. Das Austrittsabkommen nach Art. 218 Abs. 3 AEUV wird damit den anderen grundlegenden Abkommen in Art. 218 Abs. 6a AEUV gleichgestellt. Eine bloĂe AnhĂśrung genĂźgt nicht.
Gleichzeitig oder im Anschluss verhandeln die EU und das Vereinigte KĂśnigreich das sogenannte Wirtschaftsabkommen, das die zukĂźnftigen Beziehungen zwischen EU und VK auĂerhalb der Vertragsmaterie zu regeln hat. Hierbei handelt es sich um ein gemischtes Abkommen:cite-ref-141[141] Nach dem regulären Entscheidungsverfahren fĂźr internationale Abkommen auf Ebene der EU nach Art. 218 AEUV muss nach der Zustimmung des Parlaments gem. Art. 218 Abs. 8 AEUV auch der Rat einstimmig zustimmen; im Anschluss mĂźssen sämtliche Mitgliedstaaten der EU fĂźr die Bereiche zustimmen, die nicht unter EU-Hoheit fallen. Ein solches Abkommen muss in allen 28 Ländern den Ratifizierungsprozess durchlaufen und, sofern von den Verfassungen der Mitgliedstaaten vorgesehen, auch von den nationalen Parlamenten beschlossen werden.
Fßr die Austrittsverhandlungen gilt: Sie enden, wenn ein Austrittsabkommen vereinbart ist oder automatisch nach spätestens zwei Jahren, unabhängig vom Verhandlungsstand. Allerdings kÜnnen das austretende Land und die EU den Verhandlungszeitraum gemeinsam verlängern.
Verhandlungspositionen
Britische Positionen
In den Verhandlungen mit der EU ist vor allem die britische Absage an die PersonenfreizĂźgigkeit (europäische FreizĂźgigkeit, einschlieĂlich der ArbeitnehmerfreizĂźgigkeit) als eine der vier Grundfreiheiten der EU ein Streitpunkt.cite-ref-142[142] FĂźr britische StaatsbĂźrger, die sich zum Zeitpunkt des EU-Austritts rechtmäĂig in anderen EU-Staaten aufhalten, und fĂźr EU-BĂźrger, die sich zum Zeitpunkt des EU-Austritts rechtmäĂig im Vereinigten KĂśnigreich aufhalten, sind Ăbergangsregelungen vorgesehen.
Im November 2016 schlug Premierministerin Theresa May den EU-Staaten vor, die Aufenthaltsrechte der 3,3 Millionen EU-Migranten in Britannien sowie die Aufenthaltsrechte der 1,2 Millionen britischen Migranten in Kontinentaleuropa gegenseitig zu garantieren, um diese Frage von den Brexitverhandlungen auszuklammern.cite-ref-143[143] Als Innenministerin hatte May das Ziel gesetzt, die Zahl der Zuwanderer ins Vereinigte KÜnigreich unabhängig von deren Herkunft auf 100.000 Personen pro Jahr zu begrenzen.cite-ref-144[144]
Premierministerin Theresa May formulierte auf der Parteikonferenz der Konservativen im Oktober 2016 das Ziel, dass die Beendigung der Rechtsprechung der EU und des freien Personenzuzugs aus der EU ihre Prioritäten seien. Sie wĂźnschte, âbritischen Unternehmen die maximale Freiheit auszuhandeln, mit und im Binnenmarkt Geschäfte zu tätigen â und im Gegenzug europäischen Betrieben das gleiche Recht hier anzubietenâ, aber nicht, wenn dadurch die Souveränität des Vereinigten KĂśnigreichs als Verhandlungspunkt gefordert werde.cite-ref-145[145]cite-ref-146[146]
Im Januar 2017 stellte May in einer Grundsatzrede einen ZwĂślf-Punkte-Plan vor, der nach Interpretation der Medien im deutschsprachigen Raum einen âharten Brexitâ vorsah, d. h. keine EU-Teilmitgliedschaft oder assoziierte Mitgliedschaft des Vereinigten KĂśnigreichs.cite-ref-147[147] Die Premierministerin sagte voraus, dass das Vereinigte KĂśnigreich aus dem europäischen Binnenmarkt, der Zollunion und dem Europäischen Gerichtshof ausscheiden werde und dass es mit der EU Ăźber die Gestaltung von Folgeverträgen als Ersatz der unerwĂźnschten EU-Regeln verhandeln werde. Ăber das Ergebnis der Austrittsverhandlungen wird das britische Parlament abstimmen,cite-ref-148[148] allerdings ohne in dieser Frage ein Vetorecht zu besitzen.cite-ref-149[149]
In der ersten Zeit nach dem Mitgliedschaftsreferendum schwankte die britische Position zwischen den Positionen, entweder weiterhin dem gemeinsamen Markt der EU anzugehÜren oder eine Freihandelszone mit der EU zu bilden. Fßr beide Fälle bestand die restliche EU auf britischen Gegenleistungen, u. a. auf die Gewährung der Freizßgigkeit fßr arbeitssuchende Bßrger von EU-Mitgliedstaaten.
Unter der Regierung Boris Johnson zeigte sich 2020 zudem, dass die britische Seite jede Vereinbarung mit der EU ablehnen wollte, die an den Verbleib in der Europäischen Menschenrechtskonvention und damit an die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs fßr Menschenrechte gekoppelt ist, der selbst nicht zur EU gehÜrt. Auf diese Weise wßrde sich das Vereinigte KÜnigreich die MÜglichkeit offenhalten, die Menschenrechtskonvention nach dem Brexit aufzukßndigen,cite-ref-150[150] mÜglicherweise in einem zweiten Referendum, wie von Chefberater Dominic Cummings 2018 vorgeschlagen.cite-ref-151[151]
Weicher Brexit: Freihandelszone
In der ersten Jahreshälfte 2018 wurde bekannt, dass May eine Freihandelszone mit der Europäischen Union anstrebt, die zwar nicht zum EU-Binnenmarkt gehĂśrt, aber die tiefe wirtschaftliche Integration des Vereinigten KĂśnigreichs und Kontinentaleuropas aufrechterhält.cite-ref-152[152] Diese Position galt im Vereinigten KĂśnigreich als weicher Brexit, denn sie widersprach der von den Ministern David Davis und Johnson favorisierten kompletten Abwendung von Europa. FĂźr weite Teile der Konservativen Partei impliziert eine Freihandelsvereinbarung mit der EU einen zu groĂen externen Einfluss auf die britische Wirtschaft, und dabei werde das eigentliche Ziel der Abkehr von der EU verfehlt: das Vereinigte KĂśnigreich solle eigenständig neue Freihandelsverträge mit anderen Staaten abschlieĂen kĂśnnen. Nach einer Regierungsklausur im Juli 2018 traten Davis und Johnson von ihren Ministerämtern zurĂźck: In einem Chequers-Plan genannten Dokument bekannte sich May nachdrĂźcklich gegen einen harten Brexit. Sie konnte die meisten Regierungsmitglieder hinter der Idee einer Freihandelszone versammeln.cite-ref-153[153]
Harter Brexit: EU-Austritt ohne Abkommen
Kurz nach dem EU-Gipfel in Salzburg im September 2018 sah Theresa May die Brexit-Verhandlungen in einer Sackgasse. In Salzburg verwehrte sie der Europäischen Union zum wiederholten Male Zugeständnisse bei der PersonenfreizĂźgigkeit fĂźr StaatsangehĂśrige der EU-Mitgliedstaaten und fĂźhrte in einer Fernsehansprache aus: âKein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen.â Darauf mĂźsse sich das Vereinigte KĂśnigreich vorbereiten.cite-ref-154[154] Die Devise âKein Abkommenâ entspricht einem sogenannten harten Brexit. Mays innenpolitisches Werben um einen âweichen Brexitâ, der auch ein Freihandelsabkommen umfassen sollte, war damit vorläufig gescheitert. Die Labour Party startete Ende August 2019 einen weiteren Anlauf, um einen harten Brexit zu verhindern.cite-ref-155[155]
Position der EU
Kernforderung der EU ist die Untrennbarkeit der vier Freiheiten des Binnenmarktes. Am 29. Juni 2016 sagte der Europäische Ratspräsident Donald Tusk, dass das Vereinigte KÜnigreich keinen Zugang zum Europäischen Binnenmarkt erhalten werde, bis es den freien Verkehr von Gßtern, Kapital, Dienstleistungen und Personen akzeptiere.cite-ref-156[156]
Trotz anfänglicher Zustimmung einer Mehrzahl der EU-Staaten wurde Mays Vorschlag vom EU-Ratspräsidenten Tusk und der deutschen Bundeskanzlerin Merkel zu den Aufenthaltsrechten von Migranten abgelehnt.cite-ref-157[157] Einen separaten Deal zu Bleiberechten der betreffenden Personen, welcher auch im Fall eines No-Deal-Brexits gelten solle, lehnte die EU-Kommission im Februar 2019 ab.cite-ref-freiepresse-2019-02-28-136-1[136]
Zahlungsforderungen
Laut Artikel 50 enden alle Verpflichtungen eines Mitgliedslandes am Tage des Austritts, jedoch mßssen die vor Austritt rechtsverbindlich ßbernommenen Zahlungsverpflichtungen gegenßber der EU auch nach Austritt erfßllt werden. Die Verhandlungspartner sind zum Aushandeln der Modalitäten der Trennung und ihr kßnftiges Verhältnis verpflichtet. EU-Chefunterhändler Michel Barnier betonte, in der zweijährigen Verhandlungsfrist das kßnftige Verhältnis zum Vereinigten KÜnigreich erst dann zu diskutieren, wenn der britische Verhandlungspartner sich zu Zahlungen bereit erklärte. Deshalb prophezeite David Davis 2017 vor dem britischen Unterhaus, dass der Streit um Geld bis zum letzten Verhandlungstag andauern wird.
Barniers Zahlungsforderungen basieren auf dem Haushaltsprinzip der EU. Offene Rechnungen sind Teil des EU-Haushalts. Das ergibt sich aus seiner Zusammensetzung: Der erste Teil der Haushaltsgelder (aufgebracht von den EU-Nettozahlern) flieĂt jedes Jahr sofort an die Empfänger; der mehr als ein Drittel der Gesamtausgaben umfassende zweite Teil, namentlich die EU-Strukturprogramme und die Forschungsprogramme, wird erst in den Folgejahren nach verbindlichem Beschluss wirksam.
Die EU verwaltet zwei Haushalte: einen fßr Zahlungsermächtigungen (die Finanzierungszusagen) und einen fßr Verpflichtungsermächtigungen. Zahlungsermächtigungen stecken ab, wie viel Geld die EU im kommenden Haushaltsjahr ausgeben darf. Verpflichtungsermächtigungen geben vor, welche Zusagen die EU in welcher MaximalhÜhe geben darf (fßr Ausgaben, die teilweise erst Jahre später fällig werden). Das Vereinigte KÜnigreich hat beide Arten von Ermächtigungen mitunterschrieben.
Die EU bilanziert jedes Jahr, wie viele Zusagen sie in den letzten Jahren einging, fĂźr die noch kein Geld floss (âreste Ă liquiderâ, âRALâ). Diese Summe betrug (Stand 2016) 217 Milliarden Euro. Nicht jede Zusage wird abgerufen (z. B. weil ein geplantes Projekt doch nicht umgesetzt wird oder weil ein EU-Mitgliedsland seinen Eigenbeitrag zur Kofinanzierung nicht zahlt).
BĂźrgerrechte bei Auslandsaufenthalten nach dem EU-Austritt
Regelt ein Abkommen einen rechtlich geordneten Austritt, wird bei der Einreise von BĂźrgern des Vereinigten KĂśnigreichs in EU-Mitgliedstaaten sowie umgekehrt von BĂźrgern aus EU-Mitgliedstaaten in das Vereinigte KĂśnigreich nach dem EU-Austritt der Briten kein Visum notwendig: EU-BĂźrger dĂźrften innerhalb von 180 Tagen 90 Tage ohne Visum im Vereinigten KĂśnigreich verbringen.cite-ref-160[160] Am 1. März 2017 stimmte eine Mehrheit der Mitglieder im Oberhaus fĂźr einen Ănderungsantrag, der die Regierung dazu verpflichtet, die Rechte von EU-BĂźrgern im Vereinigten KĂśnigreich trotz Brexit zu garantieren. Damit schickten sie den Entwurf des Brexit-Gesetzes zurĂźck ins Unterhaus.cite-ref-161[161] Dieses verweigerte am 13. März 2017 dem Ănderungsantrag die Zustimmung, was das Oberhaus noch am gleichen Tage akzeptierte.cite-ref-162[162] FĂźr BĂźrger eines EU-Mitgliedstaats, die fĂźnf Jahre ohne Unterbrechung im Vereinigten KĂśnigreich lebten, schlug das Vereinigte KĂśnigreich im Juni 2017 vor, den Status eines Niedergelassenen (settled) zu verleihen, der sie nach dem EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs mit britischen StaatsbĂźrgern gleichstelle. Wer kĂźrzer ununterbrochen im Land lebt, dĂźrfe bleiben, bis die fĂźnf Jahre erreicht sind.cite-ref-163[163]
Wenn kein Abkommen den rechtlich geordneten Austritt regeln sollte, gilt in Deutschland ein Bestandsschutz fĂźr bisher erworbene Leistungsrechte in der Sozialversicherung. Auszubildende erhalten auch nach dem Brexit fĂźr eine im Vereinigten KĂśnigreich vorher begonnene Ausbildung gegebenenfalls bis zum Abschluss BAfĂśG-Leistungen.cite-ref-164[164]
Dieses Ăbergangsgesetz schĂźtzt nicht jene, die nach dem Brexit eine Tätigkeit im Vereinigten KĂśnigreich aufnehmen oder nach einer RĂźckkehr von dort wieder in Deutschland arbeiten.
Unterhändler
Premierministerin May ernannte am 13. Juli 2016 David Davis zum Minister fĂźr den Austritt aus der Europäischen Union,cite-ref-165[165] dessen RĂźcktrittsgesuch sie am 9. Juli 2018 annahm.cite-ref-166[166] Danach fĂźhrte May die Verhandlungen eigenverantwortlich statt des Davis-Nachfolgers Dominic Raab, der die Funktion des Stellvertreters Ăźbernahm.cite-ref-167[167] Dieser trat am 15. November 2018 zurĂźck, nachdem er befand, dass der von Theresa May akzeptierte Vertragsentwurf zur Gestaltung der Ăbergangszeit des EU-Austritts eine zeitlich unbegrenzte rechtliche Bindung des Vereinigten KĂśnigreichs an die EU mit sich bringe.cite-ref-168[168] Raabs Nachfolger wurde Stephen Barclay.cite-ref-169[169]
Der Europäische Rat ernannte am 25. Juni 2016 Didier Seeuws als seinen Unterhändler fßr die Ausgestaltung der zukßnftigen Beziehungen zwischen der EU und Britannien, der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker ernannte am 27. Juli Michel Barnier als Chefunterhändler der Kommission fßr die Vorbereitung und Durchfßhrung der Austrittsverhandlungen, und am 8. September ernannte das Europäische Parlament Guy Verhofstadt als seinen Unterhändler. Dieser wurde von einer Gruppe von Mitgliedern des Europäischen Parlaments, die sogenannte Brexit Steering Group, unterstßtzt.cite-ref-170[170]cite-ref-171[171]cite-ref-172[172]
Am 14. September beschloss die Europäische Kommission, eine âTask Force fĂźr Artikel 50â fĂźr die Verhandlungen einzurichten, die von Barnier geleitet wird. AuĂerdem wurde Sabine Weyand zur Stellvertreterin Barniers ernannt.cite-ref-173[173]
Artikel 50 des Vertrags der EU
Der eigentliche Austrittsprozess wurde gemäà Artikel 50 des Vertrags ßber die Europäische Union durch die Mitteilung der britischen Regierung an den Europäischen Rat rechtlich wirksam in die Wege geleitet.cite-ref-austritt-174-0[174] Dieser sieht vor, dass nach der Absichtserklärung eines Staates ßber seinen EU-Austritt ein Abkommen ßber die Einzelheiten des Austritts ausgehandelt wird, das auch die kßnftigen Beziehungen dieses Staates zur Union berßcksichtigt.
Am 29. März 2017 veranlasste die Premierministerin die Ăbergabe eines solchen Briefes mit der britischen Absichtserklärung (âAustrittsantragâ) an den Präsidenten des Europäischen Rats, Donald Tusk. Der Brief enthält zudem ein Austrittsgesuch aus der Europäischen Atomgemeinschaft.cite-ref-noturningback-175-0[175] Theresa May hatte zuvor bei einem Parteitag der Konservativen in Birmingham am 2. Oktober 2016 die Thronrede der Queen am 21. Juni 2017 als Startpunkt des Austrittsprozesses bekannt gegeben.cite-ref-176[176]
Der Rat der Europäischen Union als Gremium der Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten formuliert die Verhandlungsziele. Die Europäische Kommission fĂźhrt die Ziele aus. Das Abkommen muss vom Europäischen Rat im Namen der Union mit qualifizierter Mehrheit beschlossen werden. Sollte keine Mehrheit zustande kommen, muss der austrittswillige Staat die Gemeinschaft auf dem Weg des âungeregelten Austrittsâcite-ref-177[177] verlassen. Dem Verhandlungsergebnis muss auĂerdem das Europäische Parlament zustimmen.
Es bestand die MÜglichkeit einer Fristverlängerung durch den Europäischen Rat, die aber einstimmig gefällt werden muss. Ein Staat, der aus der Union ausgetreten ist und erneut Mitglied werden mÜchte, kann dies nach dem Verfahren des Art. 49 des EU-Vertrags beantragen.cite-ref-178[178]
Rolle des britischen Parlaments
Zur Frage, ob die britische Regierung ohne Zustimmung des Parlaments der EU den Austritt nach Artikel 50 formell mitteilen kann, lagen bereits Anfang August 2016 sieben Klagen gegen die britische Regierung vor, um eine Zustimmungspflicht des Parlaments einzufordern. Exemplarisch nahm der Oberste Gerichtshof die Klage der Londoner Fondsmanagerin Gina Miller an,cite-ref-179[179] die AnhĂśrung erfolgte im Oktober 2016.cite-ref-180[180]
GegenĂźber dem Gericht berief sich die Regierung am 18. Oktober auf das Ăźbliche Ratifizierungsverfahren (the view within government is that it is very likely that this treaty will be subject to ratification process in the usual way),cite-ref-181[181] mit dem das Parlament lediglich zu beschlieĂen hätte, ob das Vereinigte KĂśnigreich mit oder ohne Abkommen aus der EU austreten werde. Die Klägerin strebte jedoch an, dem Parlament eine Entscheidung fĂźr den Verbleib in der EU zu ermĂśglichen. Da auch die Ăźberwiegende Mehrheit der Parlamentsabgeordneten sich vor dem EU-Austritts-Referendum fĂźr den Verbleib ausgesprochen hatte, hätte die Regierung schon bei wenigen Abweichlern aus der eigenen Partei die Mehrheit im Parlament verlieren und eine Abstimmungsniederlage erleiden kĂśnnen. Die daraufhin mĂśglicherweise erforderlichen Neuwahlen wollte die Regierung vermeiden.cite-ref-182[182]
Die britische Regierung von Premierministerin Theresa May blieb gegenĂźber dem Gericht und der Ăffentlichkeit auf ihrem Standpunkt, dass eine explizite Parlamentsabstimmung Ăźber den Austritt nicht notwendig sei. Am 3. November 2016 entschied der High Court of Justice, dass die britische Regierung nicht ohne Zustimmung des britischen Parlaments den EU-Austritt in Gang setzen dĂźrfe; einen dagegen gerichteten Revisionsantrag der Regierung wies der Oberste Gerichtshof am 24. Januar 2017 mit einer Mehrheit von 8 zu 3 Richtern zurĂźck. Zur BegrĂźndung erklärte das Gericht, dass durch den geplanten EU-Austritt geltendes (EU-)Recht im Vereinigten KĂśnigreich ungĂźltig gemacht werde, und dies bedĂźrfe eines Act of Parliament, d. h. eines Parlamentsbeschlusses.cite-ref-183[183] Die Zustimmung der Regionalparlamente Schottlands, Nordirlands und Walesâ sei aber nicht erforderlich.cite-ref-184[184]
Am 1. Februar 2017 stimmte das Unterhaus mit 498 Ja- und 114 Nein-Stimmen fßr das Gesetz zum Artikel 50, das die Regierung ermächtigte, das Austrittsverfahren einzuleiten. Die Parteien SNP (50 Abgeordnete), Plaid Cymru (3), SDLP (3) und die Liberal Democrats (8) stimmten geschlossen gegen das Gesetz. Vor der Abstimmung hatte die Labour-Parteifßhrung mit strengen Instruktionen versucht, die Fraktion mÜglichst geschlossen fßr eine Zustimmung zu mobilisieren. Trotzdem stimmten von den 232 Labour-Abgeordneten 47 gegen das Gesetz. Als einziger von 320 konservativen Abgeordneten stimmte Kenneth Clarke dagegen.cite-ref-185[185]cite-ref-186[186]
Unter Juristen ist auch die Meinung der britischen Regierung umstritten, dass ein Austritt aus der EU automatisch den Austritt aus dem EWR nach sich zieht, weil das Vereinigte KĂśnigreich nur Ăźber die EU auch Mitglied im EWR ist.cite-ref-187[187]cite-ref-188[188] Am 3. Februar 2017 wies der Oberste Gerichtshof eine Klage zurĂźck, die das Parlament zu einer getrennten Abstimmung Ăźber einen Austritt aus dem EWR verpflichten wollte.cite-ref-189[189]
Urteil des EuGH zur MĂśglichkeit einer einseitigen RĂźcknahme des Austrittsgesuchs
Abgeordnete des schottischen, des britischen und des Europaparlaments hatten das oberste schottische Zivilgericht (Court of Session) zur Frage angerufen, ob das Vereinigte KÜnigreich seine Absichtserklärung zum Austritt (Austrittsantrag) ohne Zustimmung der anderen EU-Mitgliedstaaten zurßcknehmen kann. Das Zivilgericht wandte sich zur Bewertung der Frage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH).cite-ref-withdraweladvocategeneral-190-0[190]
Der Generalanwalt Manuel Campos SĂĄnchez-Bordona war der Meinung, das Vereinigte KĂśnigreich kĂśnne seine Erklärung auch ohne die Zustimmung der anderen EU-Staaten zurĂźckziehen. Die RĂźcknahme dĂźrfe jedoch nicht missbräuchlich sein, sie mĂźsse dem Rat vor dem Inkrafttreten eines Austrittsabkommens bzw. vor dem Ablauf der 2-Jahres-Frist fĂśrmlich mitgeteilt werden und im Einklang mit dem nationalen Verfassungsrecht stehen. Der Generalanwalt begrĂźndete seine Auffassung damit, dass nach dem Wiener Ăbereinkommen Ăźber das Recht der Verträge eine Absichtserklärung eines Staates von diesem auch wieder zurĂźckgenommen werden kann, solange der auf die Erklärung folgende Rechtsakt noch nicht in Kraft getreten sei. Auch sei es vor dem Hintergrund der angestrebten immer engeren Union der VĂślker Europas abwegig, einem rĂźckkehrwilligen Mitgliedstaat Hindernisse in den Weg zu legen, sofern seine Entscheidung verfassungsgemäà und demokratisch zu Stande kam.cite-ref-withdraweladvocategeneral-190-1[190]
Der Europäische Gerichtshof entschied am 10. Dezember 2018, dass ein Mitgliedsstaat eine abgegebene Absichtserklärung zum Austritt auch ohne Zustimmung der anderen EU-Mitgliedstaaten wirksam zurßcknehmen kann. Der Gerichtshof folgte im Ergebnis und in der Begrßndung weitgehend dem Antrag des Generalanwalts und ergänzte, dass die Rßcknahme nicht an Bedingungen geknßpft sein dßrfe.cite-ref-191[191]
Great repeal bill
Zur Anpassung des nationalen Rechts EU-Austritt kĂźndigte Theresa May im Oktober 2016 an, ein GroĂes Aufhebungsgesetz (Great repeal bill) dem Parlament vorzulegen, mit dem Ziel, von Beginn an keine Rechtsunsicherheit aufkommen zu lassen.cite-ref-194[194] Kernpunkte dieses Gesetzes, das die Regierung am 30. März 2017 in einem WeiĂbuch vorstellte,cite-ref-195[195] regeln:
⢠Die Aufhebung des European Communities Act 1972 und damit der Fortgeltung des Unionsrechts im Vereinigten KÜnigreich.
⢠Die ĂberfĂźhrung des zum Zeitpunkt des Austritts gĂźltigen EU-Rechts in britisches Recht; dies soll dadurch erreicht werden, dass
⢠direkt anwendbares Recht wie EU-Verordnungen in britisches Recht verwandelt wird,
⢠alle bisher aufgrund von EU-Recht erlassenen nationalen Gesetze zunächst unverändert erhalten bleiben,
⢠die Teile des EU-Primärrechts, auf die sich Personen individuell vor Gericht berufen kÜnnen, ebenfalls ßbernommen werden. Zudem kÜnnen Gerichte bei der Interpretation von ßbernommenem EU-Recht weiterhin auf das zum Zeitpunkt des Austritts gßltige Primärrecht zurßckgreifen,
⢠alle bisherigen Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs als Präzedenzfälle wie die des Obersten Gerichtshofs behandelt werden sowie
⢠Die Schaffung einer Verordnungsermächtigung, um das bisherige Recht nach dem EU-Austritt zu ändern.
Besonders der letzte Punkt ist umstritten, da er Ministern erlaubt, Gesetze ohne vorherige Zustimmung des Parlaments zu ändern oder zu streichen.cite-ref-196[196] Diese MĂśglichkeit im britischen System basiert auf einem Dekret Heinrichs VIII. aus dem Jahr 1539, das der Exekutive erlaubt, per Verordnung legislative Funktionen wahrzunehmen. Nach Ansicht der britischen Regierung ist dies notwendig, um die groĂe Anzahl von auf EU-Recht basierenden Gesetzen im Detail zu ändern.cite-ref-197[197] AusdrĂźcklich nicht Ăźbernommen werden soll die EU-Grundrechtscharta.
Der Gesetzesentwurf wurde am 13. Juli 2017 unter dem Namen European Union (Withdrawal) Bill eingebracht. Am 13. Dezember 2017 stimmte das Unterhaus mit 309 (darunter auch 11 Konservative) zu 305 Stimmen fĂźr einen Ănderungsantrag, der die Regierung verpflichtet, das Abkommen Ăźber den EU-Austritt durch ein Gesetzgebungsverfahren im Parlament absegnen zu lassen.cite-ref-198[198]cite-ref-199[199] Am 17. Januar 2018 stimmte das Unterhaus in letzter Lesung dem Gesetz mit 324 zu 295 Stimmen zu.cite-ref-200[200]
Im Oberhaus stimmten die Lords 15 Ănderungsanträgen zu.cite-ref-201[201] Unter anderem sollte das Austrittsdatum aus dem Gesetz gestrichen und die Grundrechtscharta beibehalten werden. Zudem erhielt ein Antrag, dass nach dem EU-Austritt die Mitgliedschaft des Vereinigten KĂśnigreiches im Europäischen Wirtschaftsraum beibehalten wird, ebenfalls eine Mehrheit. Das Unterhaus lehnte jedoch 14 der 15 Ănderungen ab. Das Gesetz passierte schlieĂlich beide Kammern des Parlaments am 20. Juni 2018 und erhielt die kĂśnigliche Zustimmung am 26. Juni. Es soll nach dem EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs in Kraft treten.
Streit um die Grenze zwischen Republik Irland und Nordirland
Siehe auch
:
Grenze zwischen Irland und dem Vereinigten KĂśnigreich
und
Protokoll zu Nordirland
Seit 1921 ist die Insel Irland politisch geteilt: Während Nordirland im Vereinigten KĂśnigreich verblieb, wurde die Republik Irland zunächst ein Dominion innerhalb des Commonwealth und 1949 ein souveräner Staat. Dennoch gab es seit 1921 keine regulären Grenzkontrollen fĂźr Personenverkehr zwischen Irland und Nordirland und dem Ăźbrigen Vereinigten KĂśnigreich aufgrund der Common Travel Area. An der Grenze finden keine Warenkontrollen statt, da beide Staaten dem 1993 geschaffenen Europäischen Binnenmarkt angehĂśren. Gleichwohl wurden zu Zeiten des Nordirland-Konflikts militärische Kontrollpunkte an vielen GrenzĂźbergängen geschaffen und die meisten nicht-bewachten Ăbergänge geschlossen.
Im Jahr 1998 unterzeichneten Irland, das Vereinigte KĂśnigreich und die fĂźhrenden politischen Parteien in Nordirland das sogenannte Karfreitagsabkommen. Dadurch wurde der bĂźrgerkriegsähnliche Konflikt in Nordirland groĂteils beendet, bei dem in etwa 30 Jahren Ăźber 3500 Menschen getĂśtet wurden. Das Abkommen bestätigte den Status quo mit der MĂśglichkeit, dass sich die Nordiren kĂźnftig frei fĂźr eine Vereinigung mit der Republik Irland entscheiden kĂśnnen. Obwohl das Karfreitagsabkommen keinen Bezug auf die Grenze oder Kontrollen nimmt,cite-ref-202[202] wurden in der Folge die Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland abgebaut. StaatsangehĂśrige der Republik Irland einerseits und des Vereinigten KĂśnigreichs andererseits kĂśnnen sich bei minimalen Personenkontrollen innerhalb eines âGemeinsamen Reiseterritoriumsâ (englisch âCommon Travel Areaâ) auf den Britischen Inseln bewegen.cite-ref-203[203]cite-ref-204[204]
Theresa May und Enda Kenny, amtierender Premierminister der Republik Irland, drĂźckten im Oktober 2016 ihre Zuversicht aus, diese Gepflogenheiten beizubehalten.cite-ref-205[205] Um nach dem Brexit illegale Migration Ăźber die offene nordirische Grenze ins Vereinigte KĂśnigreich zu unterbinden, stimmte die irische Regierung im Oktober 2016 einem britischen Plan zu, wonach der britische Grenzschutz gewissermaĂen auf Irland ausgeweitet wird, d. h., irische GrenzschĂźtzer verhindern die illegale Einreise an irischen Häfen und Flughäfen.cite-ref-206[206] Dies wĂźrde verhindern, dass zwischen Nordirland und GroĂbritannien, der grĂśĂten der Britischen Inseln, eine neue Grenze entsteht.
Bei den Verhandlungen zum Brexit-Vertrag betonten sowohl die EUcite-ref-207[207] als auch das Vereinigte KĂśnigreich,cite-ref-208[208] dass nach dem Brexit die Grenze zwischen den beiden Inselteilen ohne Warenkontrollen (Zollkontrollen) bleiben solle, obwohl die Republik Irland als Mitglied der EU Teil der EU-Zollunion, das Vereinigte KĂśnigreich nach Abschluss des Brexit-Prozesses aber kein Teil der Zollunion mehr sein wird. Zwischen der Republik Irland und Nordirland wird dann eine EU-AuĂengrenze bestehen, an der nach den EU-Regeln Warenkontrollen vorgeschrieben sind, sofern kein zollneutrales Handelsabkommen zu Stande käme.
Der EU-Chefunterhändler Michel Barnier drohte in einer Rede vor dem irischen Parlament in Dublin mit der Errichtung einer EU-Zollgrenze zu Nordirland, falls keine Brexit-Einigung zustande kommt,cite-ref-209[209] jedoch warnte die irische Polizei im Mai 2018, dass dafĂźr 1.000 irische Polizisten (gardai) nĂśtig wären und kein Plan dafĂźr existiere.cite-ref-210[210] Bereits 2016 warnte eine Studie des Dubliner Institute of International and European Affairs vor einer WiedereinfĂźhrung von Grenzkontrollen entlang der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland: âDie Grenze wĂźrde die nationalistische Gemeinde [die katholische Minderheit in Nordirland] von der Republik [Irland] in einem AusmaĂ isolieren, wie es es seit 40 Jahren nicht mehr gab. Es bedarf wenig Vorstellungskraft, um zu dem Schluss zu kommen, dass ein ZurĂźckstellen der Uhr Nationalisten enorm erzĂźrnen und lautstarken Forderungen nach irischer Einheit Auftrieb geben wĂźrde, wodurch Spannungen in der [mehrheitlich protestantischen] BevĂślkerung in Nordirland und somit Spannungen innerhalb der irisch-britischen Beziehungen im Allgemeinen verschärft wĂźrden.âcite-ref-211[211]
RĂźckfalllĂśsung ( Backstop )
â
Hauptartikel
:
Backstop (Brexit-Abkommen)
Um Warenkontrollen zu vermeiden, enthält das Abkommen Ăźber den Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs aus der EU das sogenannte Backstop-Protokoll (deutsch RĂźckfalllĂśsung).cite-ref-euronews-backstop-212-0[212] Im Oktober 2019 einigten sich Boris Johnson und Leo Varadkar darauf, das ganze Vereinigte KĂśnigreich aus dem EU-Zollgebiet austreten zu lassen, aber fällige Kontrollen des Warenverkehrs nicht an der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland durchzufĂźhren, sondern an den Häfen zwischen Nordirland und GroĂbritannien.cite-ref-213[213]cite-ref-214[214] Das Protokoll Ăźberlebte einen erbitterten Kampf zwischen Parlament und Regierung, eine ParlamentsauflĂśsung und eine Neuwahl Ende 2019, wurde aber nicht komplett umgesetzt, weil die meisten Warenkontrollen nie durchgefĂźhrt wurden. Im Sommer 2022 versuchte die Regierung Johnson, durch eine nationale Gesetzesinitiative das Protokoll in wesentlichen Punkten gegen den Widerstand der EU zu verändern.cite-ref-215[215]
Unionisten, Brino
Die Parteivorsitzende der Democratic Unionist Party (DUP) Arlene Foster, deren zehn Parlamentarier im Unterhaus des Parlaments des Vereinigten KĂśnigreichs die Minderheitsregierung der Conservative Party stĂźtzen, stellte im November 2018 klar, dass die DUP-Parlamentarier keiner LĂśsung zustimmen wĂźrden, die nur Nordirland, aber nicht den Rest des Vereinigten KĂśnigreichs an die Zollregeln der EU binden wĂźrde, denn dies wĂźrde Nordirland von GroĂbritannien âhinwegtreibenâ (englisch âleaves us adriftâ).cite-ref-216[216]
Eine Gleichbehandlung von Nordirland und GroĂbritannien läuft jedoch den Interessen der Verfechter eines harten Brexits zuwider, die in der regierenden Konservativen Partei zahlreich vertreten sind. Sie bezeichneten den Verbleib des gesamten Vereinigten KĂśnigreichs in der EU-Zollunion als âBrexit in name onlyâ, von britischen Medien âBrinoâ genannt.cite-ref-217[217] Mitte November war damit trotz der Einigkeit zwischen den Unterhändlern der Europäischen Union und Theresa May eine erneute Sackgasse in der Nordirland-Problematik erreicht.
Zusammengefasst bedeutet dies, dass GroĂbritannien eine Zersplitterung des Staatsgebietes verhindern mĂśchte, und die EU eine Zersplitterung ihres Binnenmarktes. Verzichtet jedoch GroĂbritannien gegenĂźber der Republik Irland auf ZĂślle und Einfuhrkontrollen, um den Nordirlandkonflikt zu entschärfen, wĂźrde dies eine Verletzung des MeistbegĂźnstigungsprinzips darstellen.
Beginn der Verhandlungen
UrsprĂźnglich sollten bis Oktober 2018 die Verhandlungen Ăźber das beiderseits angestrebte Austrittsabkommen abgeschlossen sein.cite-ref-218[218] Entgegen der Intention des Vereinigten KĂśnigreichs sollten zuerst vollständig die Trennungsmodalitäten verhandelt und bei Einigkeit in allen Punkten anschlieĂend das zukĂźnftige Verhältnis zwischen beiden Parteien ausgehandelt werden.cite-ref-219[219] Der Zeitplan sah eine Verhandlungswoche pro Monat vor.cite-ref-220[220]
Am 19. Juni 2017 begann in BrĂźssel unter Leitung von Michel Barnier und David Davis die erste Verhandlungsrunde. Dabei stimmte die britische Seite der Vorgabe der EU zu, dass die erste Verhandlungsrunde LĂśsungen fĂźr die folgenden drei Themen hervorbringen mĂźsse:cite-ref-221[221]
⢠Zahlungsforderungen der EU an das Vereinigte KÜnigreich, von Journalisten geschätzt etwa 100 Milliarden Euro.
⢠Die kßnftigen Rechte britischer Staatsbßrger in der EU sowie der Bßrger der verbleibenden 27 EU-Staaten im Vereinigten KÜnigreich.
⢠Die Grenzsituation zwischen Nordirland und der Republik Irland. Hier ist mit einer kĂźnftigen AuĂengrenze der EU zu rechnen.
Auf Empfehlung der Europäischen Kommission beschloss der Rat der Europäischen Union am 15. Dezember den Eintritt in die zweite Verhandlungsrunde,cite-ref-222[222] obwohl kein Verhandlungspunkt aus der ersten Runde geklärt war.cite-ref-223[223]
FĂźr die Zeit nach dem Austritt im März 2019 war ursprĂźnglich eine zweijährige Ăbergangsphase bis in das Jahr 2021[veraltet] vorgesehen. Am 19. März 2018 vereinbarten die EU-Kommission und die britische Regierung eine Ăbergangszeit bis zum 31. Dezember 2020[veraltet]. In der Ăbergangszeit wĂźrde sich das Vereinigte KĂśnigreich weiterhin an alle EU-Regeln halten mĂźssen und auch finanzielle Beiträge wie bisher an die EU leisten, aber dafĂźr den Zugang zum EU-Binnenmarkt nicht verlieren und Teil der Zollunion bleiben. In der Ăbergangsperiode soll geklärt werden, wie die langfristige Partnerschaft zwischen beiden Seiten aussehen kann.cite-ref-224[224] Premierministerin May wie auch EU-Chefunterhändler Michel Barnier stellten klar: âNothing is agreed until everything is agreed.â (âNichts ist vereinbart, solange nicht alles vereinbart ist.â) Die Zahlungsforderungen des Vereinigten KĂśnigreichs an die EU oder eine Ăbergangsperiode (weicher Brexit) wĂźrden nur im Rahmen eines umfassenden Austrittsabkommens in Kraft treten, anderenfalls erfolge ein Brexit ohne jegliche Zugeständnisse (harter Brexit).cite-ref-225[225]cite-ref-226[226]
Entwurf Austrittsabkommen im November 2018
Am 14. November 2018 legten die Europäische Kommission und die britische Regierung einen 585 Seiten umfassenden Entwurf fßr ein Austrittsabkommen vor.cite-ref-227[227] Wichtige Inhalte des Abkommens sind Regelungen zu
1. der Gestaltung einer mehrjährigen Ăbergangsperiode zwischen dem Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs und dem Abschluss neuer Verträge, die das Verhältnis zwischen Europäischer Union und dem Vereinigten KĂśnigreich regeln,
2. BĂźrgerrechten,
3. dem Schutz geographischer Herkunftsbezeichnungen,
4. territorialen Fragen.
Der Entwurf enthält einen Passus, nach dem das gesamte Vereinigte KÜnigreich bis Juli 2020 eine Zollunion mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bildet.
Kritik aus den EU-Mitgliedstaaten
Von einigen der ßbrigen Mitgliedstaaten wurde der Vertragsentwurf unter anderem kritisiert, weil das Problem der Fischereirechte aus dem Vertragsentwurf ausgeklammert wurde und erst noch verhandelt werden muss. Bisher hatten die EU-Fischereibetriebe im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik uneingeschränkten Zugang zu den britischen Gewässern.cite-ref-228[228]
Der Botschafter Spaniens bei der EU forderte Nachbesserungen hinsichtlich des kßnftigen Status des britischen Territoriums Gibraltar, wo circa 10.000 Spanier arbeiten. Alle Fragen, die das Verhältnis Gibraltars zu Spanien regeln, mÜchte Spanien ohne die Europäische Union in bilateralen Verhandlungen mit dem Vereinigten KÜnigreich klären.cite-ref-229[229]cite-ref-230[230] Daher versprach die Europäische Union den Spaniern, dass diese alle Gibraltar betreffenden Regelungen vorab prßfen und gegebenenfalls verhindern kÜnnen.cite-ref-231[231]
Kritik aus dem Vereinigten KĂśnigreich
Im Vereinigten KÜnigreich stieà der Vertragsentwurf sowohl bei den Austrittsgegnern als auch den Brexitbefßrwortern auf Kritik.cite-ref-232[232] Am 15. November 2018 traten der Staatsminister im Nordirlandministerium Shailesh Vara, Austrittsminister Dominic Raab, Arbeitsministerin Esther McVey und Austrittsstaatssekretärin Suella Braverman zurßck.cite-ref-233[233]cite-ref-234[234]cite-ref-0-235-0[235]cite-ref-236[236] Premierministerin Theresa May verlor dadurch innerhalb von drei Stunden ihre wichtigsten vier Brexitminister.cite-ref-0-235-1[235] Der Kurs des britischen Pfundes sank.cite-ref-0-235-2[235]
In der Konservativen Partei sammelten sich die Kritiker und Gegner der Premierministerin. Neben den zurßckgetretenen Ministern gehÜrten dazu die langjährigen May-Kritiker Jacob Rees-Mogg, der am 15. November 2018 offen zu einem Misstrauensvotum gegen die Premierministerin aufrief,cite-ref-237[237] der ehemalige Parteivorsitzende Iain Duncan Smithcite-ref-238[238] sowie die schon im Juli 2018 zurßckgetretenen Minister Davis und Johnson.cite-ref-239[239]
Entscheidung der EU-Gremien
Am 25. November 2018 stimmten die Regierungschefs der 27 in der EU verbleibenden Staaten dem Vertragsentwurf auf einem Sondergipfel des Europäischen Rates zu.cite-ref-240[240]cite-ref-241[241] Am 29. Januar 2020 stimmte das Europäische Parlament dem Vertragswerk zu.
Erste Abstimmung zu Mays Vertragsentwurf
| Partei | DafĂźr | Dagegen |
|---|---|---|
| Konservative | 196 | 118 |
| Labour | 00 3 | 248 |
| SNP | 00 0 | 0 35 |
| Liberal Democrats | 00 0 | 0 11 |
| DUP | 00 0 | 0 10 |
| Plaid Cymru | 00 0 | 00 4 |
| Green Party | 00 0 | 00 1 |
| Unabhängige | 00 3 | 00 5 |
| Summe | 202 | 432 |
Premierministerin May verschob am Vortag die fĂźr den 11. Dezember 2018 vorgesehene Abstimmung im Unterhaus Ăźber den Entwurf, weil er nicht nur von den anderen Parteien, sondern auch von zahlreichen Konservativen abgelehnt wurde.cite-ref-243[243] Als Hauptgrund benannte May, dass das Problem der Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland durch den bisher vereinbarten Backstop nicht befriedigend gelĂśst werde.cite-ref-244[244]cite-ref-euronews-backstop-212-1[212] Der Backstop stieĂ auch bei vielen Brexit-BefĂźrwortern im Unterhaus auf Widerstand.cite-ref-245[245]
Premierministerin Theresa May musste sich am 12. Dezember 2018 einem Misstrauensvotum innerhalb der Unterhausfraktion der Konservativen Partei stellen, die ihr mit 200 gegen 117 Stimmen das Vertrauen aussprach. Nach den Parteiregeln durfte danach innerhalb eines Jahres kein neues Votum beantragt werden.
Die Abstimmungsdebatte des Unterhauses fand am 15. Januar 2019 statt und endete mit 202 Stimmen fßr und 432 Stimmen gegen den Vertragsentwurf. Mehr als ein Drittel der konservativen Unterhausfraktion stimmte gegen das von der eigenen Regierung ausgehandelte Abkommen. Die Motive der Abkommensgegner waren unterschiedlich: erstens eine grundsätzliche Gegnerschaft zum Brexit und die Forderung nach einem zweiten EU-Referendum bei den EU-freundlichen Parteien (Liberal Democrats, SNP, Green Party, Plaid Cymru), zweitens das Bestreben der Labour Party, durch eine Abstimmungsniederlage den Rßcktritt der Regierung und Neuwahlen zu erzwingen, und drittens die Unzufriedenheit konservativer Brexit-Befßrworter mit einzelnen Punkten des Abkommens, insbesondere hinsichtlich Nordirlands (Konservative, DUP).cite-ref-bbc20190115-246-0[246]cite-ref-may-scheitert-krachend-247-0[247]
Unmittelbar nach der Abstimmung erklärte die Premierministerin ihre Bereitschaft, sich einer Vertrauensabstimmung zu stellen, âwenn die Opposition dies wĂźnscheâ.cite-ref-248[248] Darauf reichte OppositionsfĂźhrer Corbyn einen Antrag auf ein Misstrauensvotum ein. Am folgenden Tag sprach das Unterhaus der Regierung May mit 325 gegen 306 Stimmen das Vertrauen aus.cite-ref-249[249]
Nachverhandlungen mit der EU
Ein zum 21. Januar 2019 vom Unterhaus erzwungenercite-ref-250[250] und von Theresa May an diesem Tag im britischen Unterhaus vorgetragener Plan B zum Brexit wurde als bloĂe Variante ihres Plans A gesehen, auĂer dass der Backstop mit der EU nachzuverhandeln sei.cite-ref-251[251] Derweil formierten sich Kräfte im Unterhaus, um alternative Auswege aus der Pattsituation voranzubringen.cite-ref-252[252]
Mit 16 Stimmen Mehrheit erteilte das Unterhaus Theresa May am 29. Januar ein Mandat dafĂźr, mit der EU Ăźber eine offene Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland zu verhandeln, an der keinerlei Kontrollen durchgefĂźhrt werden, obwohl sie zu einer EU-AuĂengrenze werden wĂźrde. Die EU hatte dem Vereinigten KĂśnigreich schon Wochen zuvor erklärt, dass diese LĂśsung nicht erwĂźnscht sei.cite-ref-253[253] Am 8. Februar 2019 traf May erstmals nach dem Scheitern des Austrittsabkommens direkt mit Irlands Premierminister Leo Varadkar zusammen, der sich hinter das Austrittsabkommen stellte, aber gegenĂźber einem Aufschub des Ausscheidens des Vereinigten KĂśnigreichs aus der EU offen zeigte.cite-ref-254[254]
Am 14. Februar 2019 votierten die Abgeordneten im Unterhaus mit 303 zu 258 Stimmen gegen eine Beschlussvorlage der Regierung fĂźr ein Mandat fĂźr Nachverhandlungen zum Brexit-Deal mit der EU und eine Absage an den EU-Austritt ohne Abkommen.cite-ref-255[255] Damit erlitt Premierministerin Theresa May eine weitere Abstimmungsniederlage.
| Partei | DafĂźr | Dagegen |
|---|---|---|
| Konservative | 235 | 0 75 |
| Labour | 00 3 | 238 |
| SNP | 00 0 | 0 35 |
| Liberal Democrats | 00 0 | 0 11 |
| DUP | 00 0 | 0 10 |
| TIG | 00 0 | 0 11 |
| Plaid Cymru | 00 0 | 00 4 |
| Green Party | 00 0 | 00 1 |
| Unabhängige | 00 3 | 00 6 |
| Summe | 242 | 391 |
Zweite Abstimmung zu Mays Vertragsentwurf
Angesichts der Perspektive des näher rĂźckenden No-Deal-Brexits sprachen sich am 23. Februar 2019 erstmals drei britische Minister â Greg Clark, Amber Rudd und David Gauke â fĂźr eine Verschiebung des Austrittstermins aus.cite-ref-257[257]
Am 24. Februar 2019 kßndigte Premierministerin May an, dass das Parlament am 12. März 2019 endgßltig ßber den von ihrer Regierung ausgehandelten EU-Austrittsvertrag abstimmen werde. Bei Vertragsannahme hätte damit die Option eines geregelten Ausscheidens aus der EU am 29. März 2019 weiterhin bestanden.cite-ref-258[258] Falls das Parlament am 12. März 2019 dem von ihrer Regierung ausgehandelten Austrittsabkommen nicht zustimmen werde, werde es am 14. März 2019 eine Abstimmung darßber geben, ob es zu einem ungeregelten Brexit am 29. März 2019 oder einer Verschiebung des Austrittstermins kommen solle.cite-ref-259[259]
In Abkehr von ihrem bisherigen Standpunkt erklärte die Fßhrung der Labour Party am 25. Februar 2019, dass sie die Forderung nach einem zweiten Brexit-Referendum unterstßtzen werde, falls ihr eigener Vorschlag fßr ein Brexit-Abkommen am 28. Februar 2019 im Parlament abgelehnt werden sollte.cite-ref-260[260]cite-ref-261[261]
Die zweite Abstimmung ßber den Vertragsentwurf fand am 12. März 2019 statt. In den vorangegangenen Wochen hatte die Premierministerin in verschiedenen europäischen Hauptstädten erfolglos um Zugeständnisse geworben.
Der Vertragsentwurf wurde vom Unterhaus erneut deutlich abgelehnt, allerdings mit geringerer Mehrheit als noch im Januar. Zu den ablehnenden Parteien war dieses Mal die The Independent Group (TIG), eine Gruppierung von acht ehemaligen Labour- und drei konservativen Abgeordneten, neu hinzugekommen.cite-ref-bbc20190312-262-0[262]
Abstimmung gegen den ungeordneten EU-Austritt
Am 13. März stimmte eine Mehrheit der Abgeordneten gegen einen ungeordneten Brexit (321 Ja- zu 278 Nein-Stimmen), nachdem durch einen zuvor angenommenen Ănderungsantrag (312 Ja- zu 308 Nein-Stimmen) die zeitliche Einschränkung aus dem Hauptantrag entfernt worden war.cite-ref-263[263] Dieser Beschluss war rechtlich nicht bindend.
Erste Verschiebung des Austrittstermins
Nachdem am 14. März das Unterhaus dem Antrag zur Verschiebung des EU-Austritts mit 412 Ja- bei 202 Nein-Stimmen zugestimmt hatte, beantragte May am 20. März 2019 beim Präsidenten des Europäischen Rates Donald Tusk die erste Verlängerung des EU-Austritts zum 30. Juni 2019. Die Premierministerin skizzierte dabei zwei mÜgliche Szenarien: Wenn das Unterhaus doch noch dem Austrittsvertrag ihrer Regierung zustimmte, wäre nur eine kurze Verlängerung der Frist bis zum Austritt erforderlich. Wenn das Unterhaus dagegen weiterhin ablehnte, mßsste der EU-Austritt auf einen deutlich weiter entfernten Zeitpunkt verschoben werden; bei der letzteren Variante wßrde das Vereinigte KÜnigreich an der Europawahl 2019, die fßr den 23. bis 26. Mai angesetzt war, teilnehmen. Diese Wahl kÜnnte auch zu einem Stimmungstest werden.cite-ref-264[264]
Beim Gipfeltreffen am 21. März beschlossen die 27 ßbrigen EU-Staaten einen Aufschub bis zum 12. April 2019.cite-ref-265[265]
| Partei | DafĂźr | Dagegen |
|---|---|---|
| Konservative | 277 | 0 34 |
| Labour | 00 5 | 234 |
| SNP | 00 0 | 0 34 |
| Liberal Democrats | 00 0 | 0 11 |
| DUP | 00 0 | 0 10 |
| TIG | 00 0 | 0 11 |
| Plaid Cymru | 00 0 | 00 4 |
| Green Party | 00 0 | 00 1 |
| Unabhängige | 00 4 | 00 5 |
| Summe | 286 | 344 |
Dritte Abstimmung zu Mays Vertragsentwurf
| Abstimmung | Datum | DafĂźr | Dagegen |
|---|---|---|---|
| Erste | 15. Januar | 202 | 432 |
| Zweite | 12. März | 242 | 391 |
| Dritte | 29. März | 286 | 344 |
Speaker John Bercow erklärte am 18. März, dass eine fĂźr den 20. März 2019 geplante dritte Abstimmung Ăźber die Regierungsvorlage ohne inhaltliche Ănderung nicht mĂśglich sei. Dieselbe Vorlage kĂśnne nach einer parlamentarischen Regel vom 2. April 1604cite-ref-267[267] nicht in derselben Sitzungsperiode noch einmal ohne inhaltliche Veränderung zur Abstimmung gestellt werden.cite-ref-268[268]
Da sich keine Mehrheit fĂźr die Annahme des Austrittsabkommens abzeichnete, brachte die Regierung den Entwurf nicht erneut zur Abstimmung ins Unterhaus ein.cite-ref-269[269]
Am 27. März 2019 bot Theresa May den Abgeordneten ihrer eigenen Partei an, sie werde als Premierministerin zurßcktreten, sofern das britische Unterhaus dem ausgehandelten Austrittsabkommen zustimme.cite-ref-270[270]
Um den Parlamentssprecher Bercow zur Zustimmung zu einer dritten Abstimmung ßber den Austrittsvertrag zu bewegen, bediente sich die britische Regierung einer juristischen Finesse und teilte den Vertrag am 28. März 2019 in zwei Teile:cite-ref-spon-20190329-2-271-0[271]
1. den Vertragsteil zu den ausgehandelten Austrittsmodalitäten
2. den Vertragsteil zu den kĂźnftigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten KĂśnigreich und der EU
Am 29. März 2019, der lange Zeit als Datum des EU-Austritts galt, legte die britische Regierung den Abgeordneten den ausgehandelten Austrittsvertrag zur Abstimmung vor.cite-ref-spon-20190329-2-271-1[271] Nach den jßngsten Aussagen seitens des Europäischen Rats und der britischen Regierung galt die Annahme des gesamten Abkommens am 29. März 2019 als letzte Chance, um einen Austritt ohne Abkommen zum 12. April 2019 zu verhindern.cite-ref-spon-20190329-1-272-0[272] Man ging davon aus, dass die britische Regierung Druck aufbauen wollte, um die Mehrheit der Parlamentarier zur Zusage zu bewegen. Die Abgeordneten des Unterhauses zeigten bereits in der ersten der beiden angesetzten Abstimmungen, welche die Modalitäten des Vertrags betraf, ihre mehrheitliche Ablehnung. Die Europäische Union setzte umgehend ein Treffen des Europäischen Rats, ohne Vertretung des Vereinigten KÜnigreichs, fßr den 10. April 2019 an.
Abstimmungen Ăźber Alternativen zu Mays Austrittsvertrag
Um der verfahrenen Situation zu entgegnen, entstand aus dem Unterhaus heraus die Ăberlegung, in eigener Initiative abzustimmen und auszuloten, fĂźr welches der mĂśglichen Austrittsszenarien sich eventuell eine parlamentarische Mehrheit finden lieĂe.
Erste Abstimmungsrunde
In der ersten Runde am 27. März wurde zu 8 Vorschlägen abgestimmt.cite-ref-sz-20190327-273-0[273] Die Parlamentarier votierten dafĂźr, am 27. März 2019 der Regierung die Kontrolle Ăźber die Tagesordnung aus der Hand zu nehmen. Sie fĂźhrten an diesem Tag indicative votes â nicht bindende Probeabstimmungen â durch, um Mehrheitsfähigkeiten von Alternativen zum abgelehnten Austrittsabkommen zu erkennen. Die Parlamentarier konnten sich hierbei jedoch nicht auf eine Alternative zum ausgehandelten Austrittsabkommen verständigen. Allerdings betonten die Initiatoren der Probeabstimmung, dass dies auch gar nicht der Zweck der Ăbung gewesen sei. Vielmehr wolle man herausfinden, welche Optionen wohl die hĂśchsten Chancen auf Zustimmung hätten, um diese dann erneut in einer Stichwahl abfragen zu kĂśnnen.
| Erste Runde von Testabstimmungen ßber Alternativen zum Austrittsabkommen am 27. März 2019 | Erste Runde von Testabstimmungen ßber Alternativen zum Austrittsabkommen am 27. März 2019 | Erste Runde von Testabstimmungen ßber Alternativen zum Austrittsabkommen am 27. März 2019 | Erste Runde von Testabstimmungen ßber Alternativen zum Austrittsabkommen am 27. März 2019 | Erste Runde von Testabstimmungen ßber Alternativen zum Austrittsabkommen am 27. März 2019 |
|---|---|---|---|---|
| Variante | Ja | Nein | Diff. | Inhalt |
| Zweites EU-Referendum [ 274 ] | 268 | 295 | 0 27 | DurchfĂźhrung eines zweiten Referendums |
| Verbleib in einer Zollunion [ 275 ] | 265 | 271 | 00 6 | Das VK verlässt die EU ohne Austrittsabkommen, soll aber unmittelbar nach dem Austritt versuchen, ßber Verhandlungen mit der EU der Europäischen Zollunion beizutreten. |
| Konzept der Labour Party zum EU-Austritt [ 276 ] | 237 | 307 | 0 70 | Das VK verlässt die EU mit dem Austrittsabkommen, verbleibt in der Zollunion und orientiert sich an den bestehenden und zukßnftigen Regeln des Europäischen Binnenmarkts . |
| Norwegisches Modell einer EU-Partnerschaft [ 277 ] | 189 | 283 | 0 94 | Das VK verbleibt im Europäischen Wirtschaftsraum und der Zollunion und tritt in die Europäische Freihandelsassoziation ein. |
| Rßckzug vom EU-Austritt im Fall des drohenden ungeregelten EU-Austritts [ 278 ] | 184 | 293 | 109 | Um einen Austritt ohne Abkommen zu vermeiden, soll die Regierung verpflichtet werden, spätestens zwei Sitzungstage vor dem EU-Austritt eine Abstimmung darßber abzuhalten, ob das Land ohne Vertrag ausscheiden soll. Wird dies abgelehnt, soll London die Austrittserklärung widerrufen. |
| Ungeregelter EU-Austritt [ 279 ] | 160 | 400 | 240 | Das Vereinigte KÜnigreich verlässt die EU am 12. April ohne Austrittsabkommen. |
| Malthouse Plan B [ 280 ] | 139 | 422 | 283 | Austritt auf Grundlage des ausgehandelten Austrittsabkommens, ohne RĂźckfalllĂśsung ( Backstop ) . |
| Norwegische Variante ohne Zollunion [ 281 ] | 0 64 | 377 | 313 | Wie Norwegisches Modell einer EU-Partnerschaft , aber ohne Verbleib in der Zollunion. |
Zweite Abstimmungsrunde
In einer zweiten Runde am 1. April wurden vier von Parlamentssprecher Bercow ausgewählte Vorschläge zur Abstimmung gestellt.cite-ref-sz-20190401-282-0[282]
| Zweite Runde von Testabstimmungen Ăźber Alternativen zum Austrittsabkommen am 1. April 2019 | Zweite Runde von Testabstimmungen Ăźber Alternativen zum Austrittsabkommen am 1. April 2019 | Zweite Runde von Testabstimmungen Ăźber Alternativen zum Austrittsabkommen am 1. April 2019 | Zweite Runde von Testabstimmungen Ăźber Alternativen zum Austrittsabkommen am 1. April 2019 | Zweite Runde von Testabstimmungen Ăźber Alternativen zum Austrittsabkommen am 1. April 2019 |
|---|---|---|---|---|
| Variante | Ja | Nein | Diff. | Inhalt |
| Zweites EU-Referendum [ 283 ] | 280 | 292 | 0 12 | DurchfĂźhrung eines zweiten Referendums |
| Verbleib in einer Zollunion [ 284 ] | 273 | 276 | 00 3 | Das VK verlässt die EU ohne Austrittsabkommen, soll aber unmittelbar nach dem Austritt versuchen, ßber Verhandlungen mit der EU der Europäischen Zollunion beizutreten. |
| Norwegisches Modell einer EU-Partnerschaft [ 285 ] | 261 | 282 | 0 21 | Das VK verbleibt im Europäischen Wirtschaftsraum und der Zollunion und tritt in die Europäische Freihandelsassoziation ein. |
| Rßckzug vom EU-Austritt im Fall des drohenden ungeregelten EU-Austritts [ 286 ] | 191 | 292 | 101 | Um einen Austritt ohne Abkommen zu vermeiden, soll die Regierung verpflichtet werden, spätestens zwei Sitzungstage vor dem EU-Austritt eine Abstimmung darßber abzuhalten, ob das Land ohne Vertrag ausscheiden soll. Wird dies abgelehnt, soll London die Austrittserklärung widerrufen. |
Zweite Verschiebung des Austrittstermins
Am 2. April 2019 kĂźndigte Theresa May an, erneut den Europäischen Rat um eine Verlängerung des EU-Austritts zu bitten.cite-ref-287[287] Zugleich wollte sie das Gespräch mit OppositionsfĂźhrer Corbyn und anderen Vertretern gegnerischer Parteien wie Nicola Sturgeon und Mark Drakeford suchen. Wegen dieses Richtungswechsel traten am 3. April Nigel Adams, Staatssekretär im Wales Office,cite-ref-288[288] und Christopher Heaton-Harris, Staatssekretär im Ministerium fĂźr den Austritt aus der Europäischen Union, von ihren Ămtern zurĂźck.cite-ref-289[289]
Am 4. April beschloss das Unterhaus mit nur einer Stimme Mehrheit (313 Ja- zu 312 Nein-Stimmen) ein Gesetz, das die Premierministerin verpflichten sollte, einen zweiten Verlängerungsantrag zu stellen, der ßber die am 12. April endende erste Verlängerung hinausginge.cite-ref-290[290] Das Gesetz passierte am 8. April das Oberhaus.cite-ref-291[291]
Am 5. April 2019 beantragte Theresa May fßr die britische Regierung beim Präsidenten des Europäischen Rates Donald Tusk die zweite Verlängerung des EU-Austritts bis zum 30. Juni 2019. Bei einer solchen Verlängerung war es jedoch die Teilnahme des Vereinigten KÜnigreichs an der Europawahl 2019 erforderlich.
flextension Um einen ungeregelten Brexit zu vermeiden, schlugen Tusk und die Regierungschefs eine flexible Verschiebung des EU-Austritts um bis zu ein Jahr vor. Der Vorschlag ist auch als âFlextensionâ oder âFlexi-Brexitâ bekannt.cite-ref-292[292] Frankreichs Präsident befĂźrchtete dagegen eine Schwächung der EU durch eine Einbindung der britischen Vertreter in die EU-Politik nach der Europawahl. In der Nacht zum 11. April 2019 einigten sich die 27 Staats- und Regierungschefs auf eine Verschiebung bis längstens zum 31. Oktober 2019.
Europawahl 2019
Bei der Europawahl am 23. Mai 2019 erlitten die Konservativen vor allem in England schwere Verluste und Labour vor allem in Schottland und Wales, während die EU-freundlichen Liberal Democrats ein Rekordergebnis erzielten. Stärkste Partei wurde die erst wenige Monate zuvor gegrßndete Brexit Party unter Nigel Farage, die mit 30,5 % mehr Stimmenanteile gewann als ihre Vorgängerpartei UKIP bei der vorangegangenen Europawahl (26,6 %). Einziges politisches Ziel der Brexit Party ist die Durchsetzung eines baldigen EU-Austritts, nÜtigenfalls auch ohne entsprechendes Abkommen.
RĂźcktritt von Premierministerin May und Wahl ihres Nachfolgers
Am 24. Mai 2019 kßndigte Premierministerin Theresa May ihren Rßcktritt als Vorsitzende der Konservativen Partei zum 7. Juni 2019 an. Als Premierministerin wolle sie bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt bleiben.cite-ref-resign-293-0[293] In der Folgezeit erklärten mehrere prominente konservative Politiker ihre Kandidatur fßr das Amt des Parteivorsitzenden, unter anderem Boris Johnson, Michael Gove, Jeremy Hunt, Sajid Javid, Rory Stewart, Dominic Raab, Andrea Leadsom und Matt Hancock.
Nach einem Ausscheidungsverfahren in mehreren Runden durch die Mitglieder der konservativen Unterhausfraktion blieben Jeremy Hunt und Boris Johnson Ăźbrig, die sich den Mitgliedern der Konservativen Partei zur Abstimmung stellten.cite-ref-resign-293-1[293] Hierbei siegte Johnson mit 92.153 Stimmen (66,3 %) gegenĂźber 46.656 (33,7 %) fĂźr Hunt.cite-ref-294[294]
Gesetz zur Verhinderung einer ParlamentsauflĂśsung
Am 18. Juli 2019 fasste das Unterhaus mit 315 gegen 274 Stimmen bei 52 Enthaltungen einen Beschluss, nach der es dem Premierminister nicht mehr mÜglich sein sollte, das Parlament in der Zeit zwischen dem 9. Oktober und dem 18. Dezember 2019 aufzulÜsen. Damit war dem kßnftigen Premierminister die MÜglichkeit genommen, zum 31. Oktober 2019 einen No-Deal-Brexit ohne Parlamentsbeteiligung herbeizufßhren. Während Hunt eine ParlamentsauflÜsung ausgeschlossen hatte, hatte sich Johnson diesbezßglich nicht festgelegt. Die Regierung hatte sich gegen den Antrag ausgesprochen. Da auch 17 konservative Abgeordnete fßr den Antrag stimmten und 30 weitere sich enthielten, erlangte er die Mehrheit.cite-ref-295[295]
Verhandlungen Ăźber Austritt und langfristige Beziehungen unter Premierminister Boris Johnson (2019â2020)
Queen Elisabeth II. ernannte Boris Johnson am 24. Juli 2019 zum Premierminister.cite-ref-296[296] Am gleichen Tag stellte dieser sein neues Kabinett vor, das prominent mit fßhrenden Brexit-Anhängern besetzt war. Am 1. August gewann die Kandidatin der Liberal Democrats den zuvor von den Konservativen gehaltenen Wahlkreis Brecon and Radnorshire in einer Nachwahl, wodurch die Regierungsmehrheit der Regierung Johnson im Unterhaus auf einen einzigen Sitz reduziert wurde.cite-ref-297[297]
Der neue Premierminister lehnte den ausgehandelten Austrittsvertrag ab, schloss aber eine erneute Verschiebung des EU-Austrittsstand kategorisch aus und steuerte damit auf einen no-deal-Brexit am 31. Oktober 2019 zu. Diesen hatte er jedoch im Gegensatz zu seinen konservativen Mitbewerbern um das Premierministeramt ausdrßcklich nicht ausgeschlossen. Diese Position bekräftigte er am 2. September:
âI want everybody to know â there are no circumstances in which I will ask Brussels to delay. We are leaving on 31 October, no ifs or buts.â
âIch mĂśchte, dass alle wissen, dass ich BrĂźssel unter keinen Umständen auffordern werde, etwas aufzuschieben. Wir verlassen die EU am 31. Oktober, ohne Wenn und Aber.â
â
Premierminister Boris Johnson
:
Government of the United Kingdom
Johnson reiste nach seiner Ernennung in mehrere europäische Hauptstädte, um fßr Nachbesserungen an Mays Austrittsvertrag zu werben. Die besuchten Regierungschefs blieben jedoch auf ihrem Standpunkt, dass der ausgehandelte Austrittsvertrag ein Gesamtpaket sei und nicht in Einzelteilen neu verhandelt werden kÜnne.cite-ref-299[299] Daraufhin einigten sich am 27. August 2019 Delegierte verschiedener Oppositionsparteien auf eine Strategie, den No-deal-Brexit durch ein Gesetz abzuwenden, das Johnson zur Beantragung einer Verlängerung der Austrittsfrist bei der EU zwingt. Auch einzelne Brexit-Gegner aus der konservativen Fraktion wie Dominic Grieve erklärten ihre Unterstßtzung. Die andere Option, durch ein Misstrauensvotum Johnson zu stßrzen und Labour-Parteifßhrer Jeremy Corbyn als Interims-Premierminister zu installieren, wurde von den Liberal Democrats abgelehnt.cite-ref-300[300]
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums erklärte Brexit-Party-ParteifĂźhrer Nigel Farage, dass der no-deal-Brexit die einzig gangbare Alternative darstelle, und forderte Johnson auf, diese LĂśsung konsequent anzusteuern. Mays Austritts-Vertrag sei dagegen âVerrat an den Wählernâ.cite-ref-301[301]
Am 29. August 2019 erklärte die Vorsitzende der schottischen Konservativen Ruth Davidson, unter deren Fßhrung sich die schottische Sektion der Partei als zweitstärkste Kraft in Schottland konsolidiert hatte, ihren Rßcktritt. Sie gilt als scharfe Kritikerin von Johnsons Brexit-Kurs.cite-ref-302[302]
Benn Act und Abstimmungen Ăźber Neuwahlen
Der ehemalige Labour-Minister Hilary Benn verÜffentlichte am 2. September den Text eines interfraktionell getragenen Gesetzentwurfs.cite-ref-303[303] Das angestrebte Gesetz sollte einen No-Deal-Brexit verhindern, indem es den Premierminister auffordert, bei der EU eine Verlängerung der Austrittsverhandlungen zu beantragen, falls bis zum 19. Oktober 2019 zwischen der EU und der britischen Regierung kein Austrittsabkommen ratifiziert wurde.cite-ref-304[304]
Am 3. September 2019 trat das Parlament nach seiner Sommerpause wieder zusammen. Johnson setzte seine Fraktion mit der Androhung eines Parteiausschlussverfahrens fĂźr Abweichler und der Drohung einer ParlamentsauflĂśsung und Neuwahlen unter Druck.cite-ref-305[305] Während der laufenden Debatte wechselte der Abgeordnete Phillip Lee von der konservativen zur liberaldemokratischen Fraktion. Damit verlor die Regierung Johnson ihre Unterhausmehrheit.cite-ref-306[306]cite-ref-307[307] Das Unterhaus entschied sich in einer Notdebatte mit 328 gegen 301 fĂźr die Ăbernahme der Initiative. Gegen die Regierung stimmten auch 21 konservative Abgeordnete, darunter Kenneth Clarke, Dominic Grieve, Philip Hammond, Oliver Letwin, Antoinette Sandbach, Nicholas Soames und Rory Stewart,cite-ref-308[308] die unmittelbar danach aus der konservativen Fraktion ausgeschlossen wurden.cite-ref-309[309] Die als moderate Konservative geltende Amber Rudd trat deshalb am 7. September 2019 von ihrem Amt als Arbeitsministerin zurĂźck und erklärte ihren Austritt aus der Fraktion der Tories. Zuvor hatte bereits am 5. September Johnsons Bruder Jo Johnson auf sein Abgeordnetenmandat verzichtet.cite-ref-310[310]
Am 4. September stimmten die Unterhausabgeordneten mit 327 zu 299 Stimmen fßr den European Union (Withdrawal) (No. 2) Act 2019, der meist Benn Act genannt wird. Im Oberhaus versuchten danach Brexit-freundliche Mitglieder mit Hilfe von mehr als 100 Zusatzanträgen (Amendments) die Verabschiedung des Gesetzes noch vor der Parlamentspause zu verhindern.cite-ref-311[311] Am 6. September stimmte das Oberhaus jedoch dem Gesetz zu.cite-ref-faz-312-0[312] Die Queen billigte es am 9. September, dem letzten Tag vor der Parlamentspause.cite-ref-313[313] Das Gesetz verpflichtete die Regierung, die EU-Verhandlungspartner um eine Verschiebung des Austrittstermins auf Ende Januar 2020 zu ersuchen, falls bis zum 19. Oktober 2019 kein Austrittsvertrag zustande kommen sollte.cite-ref-faz-312-1[312]
Premierminister Johnson forderte währenddessen wiederholt Neuwahlen fĂźr den 15. Oktober 2019. FĂźr Neuwahlen wäre nach dem Fixed-term Parliaments Act 2011 entweder eine verlorene Vertrauensabstimmung der Regierung erforderlich oder ein Zwei-Drittel-Votum des Unterhauses (434 der 650 Abgeordneten). Labour-ParteifĂźhrer Corbyn sprach sich ebenfalls fĂźr Neuwahlen aus.cite-ref-314[314] Am 4. September stimmten 298 Abgeordnete fĂźr die Neuwahl, womit die Vorlage gescheitert war. 56 stimmten dagegen, darunter fast alle Abgeordneten der Liberal Democrats. 288 enthielten sich, darunter die Scottish National Party und groĂe Teile der Labour Party, mit der BegrĂźndung, dass sie erst fĂźr Neuwahlen stimmen wĂźrden, wenn das eben verabschiedete Gesetz zur Verhinderung eines EU-Austritts ohne Vertrag in Kraft getreten sei.cite-ref-315[315] Einer zweiten Abstimmung am 9. September 2019 scheiterte erneut mit nur 293 Stimmen fĂźr die Neuwahl, die nun vor dem geplanten Austrittsdatum am 31. Oktober 2019 nicht mehr mĂśglich war. Nach dieser Sitzung begann am 10. September 2019 fĂźr das Parlament die von Johnson erzwungene Sitzungspause.cite-ref-316[316]
Vertagung des Parlaments
Am 28. August 2019 lieĂ Johnson durch die KĂśnigin die Vertagung des Parlaments (prorogation) vom 10. September bis zum 10. Oktober 2019 verkĂźnden, die von britischen Regierungen Ăźblicherweise einmal pro Jahr (meist im April oder Mai) veranlasst wird. In dieser Zeit hält die KĂśnigin die Rede (Queenâs Speech), in der die Regierungsziele des kommenden Jahres dargelegt werden. Durch die Vertagung werden Gesetzgebungsprozesse, die noch nicht zum Abschluss gekommen sind, terminiert, d. h. sie mĂźssen nach Ende der Vertagung, die in der Regel weniger als zwei Wochen dauert,cite-ref-317[317] von vorne begonnen werden.
Die durch Johnson initiierte Parlamentsvertagung rief nicht nur aufgrund ihrer ungewĂśhnlich langen Dauer (23 Arbeitstage â die längste Suspendierung seit 1945), sondern auch durch den gewählten Zeitpunkt zum Teil heftige Reaktionen hervor.cite-ref-318[318] Der Speaker â der normalerweise tagespolitische AnkĂźndigungen nicht kommentiert â John Bercow nannte die MaĂnahme einen âverfassungsrechtlichen Skandalâ (âconstitutional outrageâ). Der Zweck der Suspendierung sei ganz offensichtlich, die Parlamentsdebatte Ăźber den Brexit und die Zukunft des Landes zu unterbinden bzw. zu beenden.
Zwei Klagen gegen die Zwangspause vor dem englischen High Court in London und dem nordirischen High Court in Belfast blieben erfolglos, da es sich um eine politische, nicht um eine rechtliche Frage handle. Die Klage einer parteiĂźbergreifenden Gruppe von Ăźber 70 Abgeordneten unter FĂźhrung von Joanna Cherry gegen die Vertagung vor dem schottischen Court of Session blieb zunächst ebenfalls erfolglos, dessen dreikĂśpfige Berufungsinstanz Inner House entschied dagegen am 11. September 2019, die Vertagung sei unrechtmäĂig.cite-ref-319[319]
Die britische Regierung rief gegen dieses Urteil den Obersten Gerichtshof des Vereinigten KĂśnigreichs an, der am 24. September einstimmig entschied, dass die Zwangspause ungesetzlich sei.cite-ref-bbc-suspending-parliament-was-unlawful-19-1[19] HauptbeschwerdefĂźhrerin vor dem Supreme Court war die Aktivistin Gina Miller, rechtlich vertreten durch David Pannick. Als Zeugen bot Miller Ex-Premierminister John Major auf.cite-ref-320[320]cite-ref-321[321]
Neuverhandlung mit der EU und neuer Entwurf des Austrittsabkommens
Am 19. September 2019 stellte Antti Rinne, Ministerpräsident von Finnland, das zu dieser Zeit den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehatte, fest, Johnson habe nur noch bis zum 30. September Zeit, der EU neue Ideen zur Vermeidung eines harten Brexit zu unterbreiten.cite-ref-322[322]
Am 17. Oktober verkĂźndeten die britische Regierung und die Europäische Kommission einen Durchbruch bei den Verhandlungen um das Austrittsabkommen. Im neuen Vertragsentwurf war der umstrittene Backstop gestrichen. An seiner Stelle sollte eine Regelung implementiert werden, nach der GĂźter, die fĂźr die EU bestimmt sind, bereits auf britischer Seite verzollt und kontrolliert wĂźrden, während GĂźter, die in Nordirland verbleiben, nicht von EU-Regeln betroffen sind. Dies wĂźrde eine harte Grenze auf der irischen Insel verhindern und gleichzeitig dem Vereinigten KĂśnigreich die MĂśglichkeit geben, eigene neue Handelsabkommen fĂźr das gesamte Land abzuschlieĂen. Jedoch wĂźrden einige EU-Binnenmarktsregeln auch weiterhin fĂźr Nordirland gelten. Diese Regelung ist zudem nicht unbefristet, sondern soll am Ende der Ăbergangsperiode nur im Einvernehmen mit der Northern Ireland Assembly verlängert werden. Das neue Abkommen wurde kurz darauf von allen 27 EU-Mitgliedstaaten im Europäischen Rat gebilligt.
Dritte Verschiebung des Austrittstermins und EU-Austritt 2020
Auch gegen diesen Vertragsentwurf formierte sich im Unterhaus Widerstand, unter anderem von den nordirischen Unionisten, die darin die Gefahr einer rechtlichen Unterscheidung zwischen Nordirland und GroĂbritannien sahen. Die am 19. Oktober (also am letztmĂśglichen Tag gemäà Benn Act) anberaumte Abstimmung Ăźber das Abkommen wurde jedoch durch das Letwin Amendment vertagt, weil einige Abgeordnete befĂźrchteten, dass die Brexit-Hardliner nach einer Zustimmung alle notwendigen Implementierungsgesetze blockieren und so doch noch einen No-Deal-Brexit erzwingen kĂśnnten.
Damit wurde Johnson gezwungen, bis Mitternacht die erneute Verschiebung des Austrittsdatums zu beantragen. Dieser Pflicht kam er widerwillig nach, unterschrieb das Schreiben an den Europäischen Rat jedoch demonstrativ nicht, sondern schickte stattdessen noch einen zweiten Brief mit, in dem er die EU-Staats- und -Regierungschefs dazu aufrief, der von ihm beantragten Verlängerung nicht zuzustimmen. Stattdessen wolle er versuchen, das Austrittsabkommen noch bis zum 31. Oktober ratifizieren zu lassen.
Der Europäische Rat entschied am 25. Oktober, die Verschiebung prinzipiell zu bewilligen, ohne jedoch zunächst die genaue Dauer bekannt zu geben, da man sich darĂźber vorerst nicht einigen konnte. Der franzĂśsische Präsident Emmanuel Macron hatte fĂźr einen sehr kurzen Aufschub von etwa 14 Tagen plädiert, um auf diese Weise Druck auf das Unterhaus auszuĂźben. SchlieĂlich einigte sich der Rat darauf, die Abstimmung des Unterhauses zu Johnsons inzwischen angekĂźndigten Antrag auf Neuwahlen am 12. Dezember abzuwarten, bevor eine genaue Frist beschlossen wird.cite-ref-323[323] Am 28. Oktober stimmte der EU-Rat fĂźr eine âflexibleâ Verschiebung des Austrittsdatums auf den 31. Januar 2020 mit der Option eines frĂźheren Austretens, sofern der aktuelle Brexit-Deal vom britischen Unterhaus akzeptiert wird.cite-ref-spiegel-de-einigung-ber-dritte-verschiebung-25-1[25]
Am 29. Januar ratifizierte das Europäische Parlament die Verträge zum EU-Austritt. Die Debatte um die Ratifizierung der Verträge war die letzte fĂźr die britischen EU-Abgeordneten, da diese am 31. Januar 2020 das Europäische Parlament verlieĂen.cite-ref-324[324]
Nach dem deutlichen Wahlgewinn der Konservativen bei den Parlamentswahlen am 12. Dezember 2019 wurde das Austrittsverfahren zĂźgig zu Ende gebracht. Am 9. Januar 2020 stimmte das britische Unterhaus dem Brexit-Gesetz zucite-ref-325[325] und am 22. Januar nach einigen vergeblichen Ănderungsanträgen auch das Oberhaus.
Am 31. Januar 2020 verlieĂ das Vereinigte KĂśnigreich schlieĂlich formell die Europäische Unioncite-ref-326[326]. Jedoch wurde laut Austrittsvertrag das EU-Recht in der sogenannten Ăbergangsphase bis Ende 2020 vorläufig weiter angewendet.cite-ref-transition-327-0[327] Bis dahin sollte ein gesonderter Vertrag Ăźber die kĂźnftigen, langfristigen Beziehungen zwischen VK und EU verhandelt und geschlossen werden. Andernfalls drohte erneut ein harter Brexit ohne Deal.cite-ref-328[328] Das Protokoll zu Nordirland gilt unbefristet.
Verhandlungen Ăźber ein langfristiges Handels- und Kooperationsabkommen
Sofort nach dem EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs wurde mit den Verhandlungen Ăźber ein langfristiges Handels- und Kooperationsabkommen begonnen. HierfĂźr blieben (anders als ursprĂźnglich vorgesehen, da sich bereits die Verhandlungen allein Ăźber das Austrittsabkommen um Jahre verlängert hatten) nur wenige Monate Zeit. Dies stellte eine enorme Herausforderung dar, denn einerseits ging es fĂźr beide Seiten um das grĂśĂte jemals geschlossene Handelsabkommen, andererseits wurde ein solches noch nie in einer so kurzen Zeit verhandelt (zum Vergleich: Das CETA-Abkommen mit Kanada wurde 7 Jahre vorbereitet).
Hierzu verĂśffentlichte die britische Seite am 3. Februar 2020 einen Forderungskatalog:
⢠Respektierung der Souveränität beider Seiten und volle Regulierungsautonomie. Keine regulatorische Harmonisierung mit EU-Recht oder jegliche Jurisdiktion des EuGH
⢠Ein Vertragswerk Ăźber Freihandel, Fischerei und Kooperation in innerer Sicherheit und Atomenergie. Weitergehende, kĂźnftige Kooperationen sollen nicht vertraglich geregelt werden (dies hätte etwa eine gemeinsame AuĂenpolitik und ERASMUS miteingeschlossen)
⢠Die britische Regierung vertritt uneingeschränkt alle Kronbesitzungen und Ăberseegebiete (inklusive Gibraltar)
Der Europäische Rat erlieĂ am 25. Februar ein Verhandlungsmandat. EU-VerhandlungsfĂźhrer blieb Michel Barnier, auf britischer Seite David Frost. Am 3. März starteten die ersten Gespräche.cite-ref-330[330] Am 18. März wurde ein erster Vertragsentwurf von der EU publiziert;cite-ref-331[331] die britische Seite hingegen blieb einem solchen schuldigcite-ref-332[332]. UrsprĂźnglich sollte der Vertrag bis Ende Juni (Frist fĂźr die Vereinbarung einer Verlängerung des Ăbergangszeitraums) fertig verhandelt sein, andernfalls wĂźrde man sich auf einen No-Deal-Brexit vorbereiten.cite-ref-france24-333-0[333] Die Fronten schienen jedoch auch bei diesen Verhandlungen verhärtet, sodass zunächst Ăźber Monate keine signifikanten Fortschritte erzielt werden konnten. Selbst beim Thema Menschenrechte schien es unterschiedliche Positionen zu gebencite-ref-graun050320-334-0[334] und GroĂbritannien begann sogar, gegen bereits vereinbarte Punkte des Nordirland-Protokolls zu verstoĂen.cite-ref-335[335] Die Corona-Pandemie erschwerte den Prozess weiter.cite-ref-336[336]cite-ref-337[337]
Am 9. September 2020 verĂśffentlichte die britische Regierung einen Entwurf fĂźr den sogenannte Internal Market Act, ein Gesetz, mit dem die kĂźnftige britische Handelspolitik geregelt werden soll.cite-ref-338[338]cite-ref-339[339]cite-ref-340[340]cite-ref-341[341] Der Gesetzentwurf verstieĂ explizit gegen das Austrittsabkommen mit der EU und das Nordirland-Protokollcite-ref-bbc0809202-342-0[342]. Zudem wehrten sich die Regionalregierungen von Schottland, Nordirland und Wales gegen das Gesetz, da es ihnen bestimmte Rechte, die ihnen im Rahmen der Devolution zugestanden wurden, wieder entziehen sollte.cite-ref-02-343-0[343]cite-ref-politico090920-344-0[344]cite-ref-345[345] Die britische Regierung räumte die VĂślkerrechtswidrigkeit des Gesetzes ein, hielt jedoch weiter daran fest.cite-ref-346[346]cite-ref-specific-347-0[347] Daraufhin traten mehrere britische Spitzenpolitiker zurĂźck, darunter der Leiter der JustizbehĂśrde Jonathan Jonescite-ref-348[348] und Amal Clooney. Die EU reagierte empĂśrt und stellte GroĂbritannien ein Ultimatum fĂźr eine rechtskonforme Korrektur.cite-ref-349[349]cite-ref-350[350] Erst am 8. Dezember konnte hierfĂźr eine Einigung erzielt werden.cite-ref-5-351-0[351]
Zwischenzeitlich waren erneut mehrere Fristen ergebnislos verstrichen (teilweise wurde aufgrund des o. g. Rechtsstreits sogar monatelang gar nicht mehr offiziell verhandelt), sodass die rechtzeitige Ratifizierung eines Abkommens praktisch unmĂśglich schien.cite-ref-352[352]cite-ref-353[353] Haupt-Streitpunkte blieben insbesondere die Fischereipolitik und die Harmonisierung von Produktstandards.
Als auch im Dezember 2020 noch kein Ergebnis ersichtlich war, wurden die Verhandlungen an die hĂśchste Ebene (Premierminister Johnson und Kommissionspräsidentin von der Leyen) Ăźbergeben. Versuche von Boris Johnson, bilateral nur mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verhandeln, wurden aufgrund der alleinigen Handelskompetenz der EU abgelehnt. Am 17. Dezember verkĂźndeten die Vorsitzenden der grĂśĂten Fraktionen des Europaparlaments, dass eine Einigung bis zum 20. Dezember erzielt werden mĂźsse, andernfalls wĂźrden sie das Abkommen nicht mehr beraten, weil nicht genug Zeit fĂźr dessen PrĂźfung bliebe.cite-ref-354[354] Auch diese Frist verstrich ohne Ergebnis.cite-ref-grauniad201220-355-0[355]
Erst am 24. Dezember konnte eine Grundsatzvereinbarung Ăźber ein langfristiges Handels- und Kooperationsabkommen erzielt werden.cite-ref-ip-20-2531-356-0[356] Dieses wurde von der britischen Regierung und der EU-Kommission unterzeichnet und ist nach der Zustimmung der Regierungen aller EU-Mitgliedsstaaten zunächst vorläufig in Kraft getreten. AnschlieĂend ist die Ratifikation durch das britische Unterhaus, das Europäische Parlament und in einigen Fällen auch durch die nationalen Parlamente der Mitgliedstaaten erforderlich. Auf britischer Seite erfolgte die Abstimmung darĂźber noch am 30. Dezember 2020.cite-ref-357[357] Die formelle Ratifizierung des Abkommens durch das Europäische Parlament geschah am 28. April 2021.cite-ref-358[358]
Der gefundene Kompromiss besteht aus drei Hauptsäulen:
1. Einem umfassenden Freihandels- und Kooperationsabkommencite-ref-359[359]:
⢠Auf Waren, die aus dem Vereinigten KÜnigreich bzw. der EU stammen, werden bilateral keine EinfuhrzÜlle erhoben, es gibt keine Mengenbeschränkungen fßr den Import.
⢠Ein- und Ausfuhrformalitäten werden kßnftig existieren, sollen aber mÜglichst einfach gestaltet werden, insbesondere bei Autos, Medikamenten, Chemikalien und Wein.
⢠Im besonders umstrittenen, obgleich wirtschaftlich eigentlich wenig bedeutenden Bereich Fischerei wurde eine Ăbergangsphase von fĂźnfeinhalb Jahren vereinbart, während der die Fangrechte fĂźr Fischer aus der EU in britischen Gewässern um 25 Prozent gekĂźrzt werden; ab Juni 2026 soll dann jährlich Ăźber die Fangquoten verhandelt werden.
⢠Im Bereich Finanzdienstleistungen sind noch Fragen offen, die in den kommenden Monaten geklärt werden sollen.
⢠Das Vereinigte KÜnigreich steigt aus dem Erasmus-Programm aus, nimmt aber weiter an fßnf anderen EU-Programmen teil (am Forschungsprogramm Horizont Europa, am Forschungs- und Ausbildungsprogramm der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom, am Kernfusionsreaktorprojekt ITER, am Erdbeobachtungssystem Copernicus sowie am Satellitenßberwachungssystem SST), muss sich dafßr im Gegenzug weiter an deren Finanzierung beteiligen.cite-ref-360[360]
⢠DarĂźber hinaus werden auch die Themen Investitionen, Wettbewerb, staatliche Subventionen, Steuertransparenz, Luft- und StraĂenverkehr, Energie und Nachhaltigkeit, Datenschutz (hier insbesondere eine erneute Ăbergangsfrist fĂźr DatenflĂźsse)cite-ref-361[361] und Koordinierung der sozialen Sicherheit geregelt, denn die EU hatte ein Unterlaufen bisheriger Standards befĂźrchtet. Sie musste aber ihre Forderung aufgeben, dass GroĂbritannien auch zukĂźnftige Ănderungen von EU-Standards Ăźbernehmen mĂźsse.
⢠Die bisherige FreizĂźgigkeit entfällt. EU-BĂźrger benĂśtigen von Oktober 2021 an einen Pass zur Einreise nach GroĂbritannien. EU-BĂźrger, die bereits im Vereinigten KĂśnigreich leben, kĂśnnen noch bis zum 30. Juni 2021 einen Aufenthaltsstatus beantragen; solche, die seit dem 1. Januar 2021 einwandern wollen, mĂźssen dagegen bestimmte Kriterien erfĂźllen, unter anderem soll eine Einkommensschwelle die Zuwanderung von Geringqualifizierten verhindern. Briten verlieren zum Jahreswechsel das Recht, in allen Staaten der Europäischen Union zu leben und zu arbeiten.cite-ref-362[362]
2. Einem Sicherheits- und Informationsabkommencite-ref-363[363]: Hier geht es insbesondere um den Austausch von Geheiminformationen
3. Einem Abkommen Ăźber die Zusammenarbeit in der zivilen Nutzung von Nuklearenergiecite-ref-364[364].
4. Regelungen zur DurchfĂźhrung des Abkommenscite-ref-365[365]. Unter anderem wird ein Gemeinsamer Partnerschaftsrat eingesetzt sowie verbindliche Durchsetzungs- und Streitbeilegungsmechanismen festgelegt.
Im Handels- und Kooperationsabkommen wurde Gibraltar aufgrund seiner besonderen Situation ausgeklammert. Erst Ende Dezember 2020, kurz vor dem Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs aus dem Europäischen Binnenmarkt, einigten sich Spanien und das Vereinigte KĂśnigreich Ăźberraschend darauf, dass Gibraltar zum 1. Januar 2021 dem Schengen-Raum beitritt. Die EU-AuĂengrenze wird sich dadurch an die Häfen und den internationalen Flughafen Gibraltars verlagern. FĂźr die Kontrolle der AuĂengrenze von Gibraltar ist Spanien verantwortlich.cite-ref-367[367]
MĂśgliche Folgen des Brexits
FĂźr das Vereinigte KĂśnigreich
Die britische Regierung verĂśffentlichte am 11. September 2019 die Yellowhammer-Dokumente, âeine Liste wahrscheinlicher Ergebnisse, sie sind Projektionen dessen, was in einem Worst-Case-Szenario passieren kannâ.
Wirtschaft
Die jährlichen Berichte des Europäischen Rechnungshofs haben im Vereinigten KĂśnigreich Diskussionen darĂźber ausgelĂśst, ob die Vorteile der EU-Mitgliedschaft die Nachteile, z. B. die Zahlungen an die EU, Ăźberwiegen.cite-ref-368[368] An den Finanzmärkten jedoch herrschte die Meinung vor, dass das Vereinigte KĂśnigreich von der Mitgliedschaft in der EU profitiert, und wenn sich Akteure aus der Wirtschaft äuĂerten, plädierten sie in groĂer Mehrheit fĂźr den Verbleib des Vereinigten KĂśnigreichs.cite-ref-369[369]
Die meisten Marktteilnehmer und Ăkonomen bezweifelten direkt nach dem Austrittsvotum, dass der AuĂenwert des Pfund Sterling, der schon ab 2008 seine ursprĂźngliche Stärke einbĂźĂte, auf lange Sicht stabil bleibt.cite-ref-370[370]
Staatshaushalt
Mit dem Brexit entfiele die Verpflichtung des Vereinigten KĂśnigreichs als drittgrĂśĂter Nettozahler, zur Finanzierung des EU-Haushalts beizutragen.cite-ref-371[371] Dagegen haben unabhängige Experten 2016 errechnet, dass ein EU-Austritt bis 2020[veraltet] âein Loch von 40 Milliarden Pfundâ in die britische Staatskasse reiĂen kĂśnnte.cite-ref-372[372]
GroĂbritannien hat ein langjähriges Handelsbilanzdefizit mit der EU-27, mit (2019) Importen von 372 Milliarden Pfund, aber Exporten von nur 300 Milliarden Pfund.cite-ref-373[373] Dieses Defizit wird durch eine Nettoneuverschuldung des Vereinigten KĂśnigreichs bei ausländischen Gläubigern finanziert. Ein schwächerer GBP-Wechselkurs erschwert die RĂźckzahlung ausländischer Kredite, impliziert aber auf lange Sicht auch die Chance, das Handelsbilanzdefizit zu verringern, indem die Importorientierung der Wirtschaft schwindet und eine Exportorientierung einsetzt.
FĂźr britische Universitäten ist sehr wahrscheinlich, dass die EU ihren finanziellen Beitrag zur UnterstĂźtzung der ForschungsÂaktivitäten komplett einstellt, wenn das Land nicht mehr EU-Mitglied ist. Die EU finanzierte 2015 16 % der britischen Forschung.cite-ref-374[374]
Analyse durch Gerard Lyons
Der Banker Gerard Lyons untersuchte vor der Ansetzung des Referendums Ăźber den Verbleib in der Europäischen Union im Auftrag des Londoner BĂźrgermeisters Johnson Szenarien fĂźr den Fall eines Brexits und fĂźr die weitere EU-Mitgliedschaft und mutmaĂte im Jahr 2014 folgende Vor- und Nachteile:
Vorteile: Ein Brexit kÜnne die Wirtschaftsleistung des Vereinigten KÜnigreichs unter Umständen bedeutend erhÜhen, falls es der Regierung gelänge, eine erfolgreichere Handelspolitik als die EU zu betreiben.cite-ref-375[375]cite-ref-376[376]
Ein schwächeres britisches Pfund kÜnnte bei entsprechender Wirtschaftspolitik zu einem Comeback der britischen Industrie fßhren.cite-ref-377[377]
Neutral: Die EU-Arbeitszeitrichtlinie ist zwischen britischen Arbeitgebern und Gewerkschaften besonders umstritten. Nach einem Brexit kÜnnte man sich dieser Sozialgesetzgebung entledigen, die die britischen Unternehmen jährlich 1,8 Milliarden Pfund (2013) kostet.cite-ref-378[378]
Nachteile: Falls das Vereinigte KĂśnigreich mit einer eigenen Handelspolitik scheitere, kĂśnnte ein Austritt fĂźr seine Wirtschaftsleistung ungĂźnstiger sein als ein Verbleib.cite-ref-379[379] Angesichts des knappen Zeitraums zwischen dem Antrag auf den Austritt und dessen Vollzug sei ein Absturz Ăźber die cliff edge (âKlippenrandâ) zu befĂźrchten. Das Vereinigte KĂśnigreich fiele ohne Vertrag in die Regelungen der Welthandelsorganisation (WTO) zurĂźck, die mit ihren starren Zolltarifen zwischen 0 und 604 %cite-ref-380[380] zerstĂśrerische Wirkungen auf die komplexen Lieferketten im hochintegrierten EU-AuĂenhandel des Vereinigten KĂśnigreichs haben kĂśnnten.
Unternehmen
Die liberale Denkfabrik Open Europe verĂśffentlichte 2015 eine Abhandlung mit dem Tenor, ein Brexit sei eine unterschätzte Gefahr.cite-ref-381[381] Das Vereinigte KĂśnigreich mĂźsste aus einer Position der Schwäche heraus einen neuen Marktzugang zum Binnenmarkt der EU aushandeln. Das schlieĂe die Finanzdienstleistungsbranche der City of London mit ein, deren Unternehmen 2015 Steuern in HĂśhe von 80 Milliarden Euro zahltencite-ref-382[382] und die die europaweit gĂźltige Betriebserlaubnis nach heutigemcite-ref-383[383] Recht durch den Brexit verlieren wĂźrden. Im besten Fall wĂźrde ein Brexit die jährliche Wirtschaftsleistung des Vereinigten KĂśnigreichs bis 2030 um 1,6 % steigern, im schlimmsten Fall um 2,2 % drĂźcken.cite-ref-384[384] Open Europe prognostizierte auĂerdem fallende VermĂśgen und summierte den jährlichen Verlust auf 56 Milliarden Pfund. Ohne EU-Mitgliedschaft wĂźrde zudem die Stimme der britischen Regierung an Gewicht verlieren, wenn supranationale Akteure wie WTO oder G7 Ăźber neue wirtschaftspolitische Vereinbarungen verhandeln.cite-ref-385[385]
Die Zuversicht der Brexit-BefĂźrworter, dass im Fall des EU-Austritts gĂźnstigere Handelsverträge mĂśglich sein werden, kommentierte der US-Präsident Barack Obama im April 2016 warnend: âUnser Hauptinteresse (Anmerkung: das der USA) gilt dem groĂen Block, der EU. Wenn GroĂbritannien alleine wäre, stĂźnde es in der Schlange ganz hinten.âcite-ref-386[386] Angesichts eines laut Umfragen plausibel erscheinenden EU-Austritts lenkte Obama an gleicher Stelle die Aufmerksamkeit auf die negativen Konsequenzen fĂźr den britischen AuĂenhandel, der stark auf Exporte in die EU ausgerichtet sei.
Der US-Präsident Donald Trump vertritt einen anderen Standpunkt und befĂźrwortet einen No-Deal-Brexit, weil davon die SchlieĂung des Freihandelsabkommens FTA abhängt.cite-ref-387[387]cite-ref-388[388] Vom 10. bis 11. Juli 2019cite-ref-389[389] fand das sechste Treffen seit 2017 zwischen den amerikanischen und britischen Vertretern in London im Rahmen der Arbeit am Projekt des FTA-Vertrags.cite-ref-390[390]
Hinzu kommt, dass das MeistbegĂźnstigungsprinzip es einem Staat verbietet, HandelsvergĂźnstigungen nur einzelnen Staaten anzubieten, es sei denn, alle Vertragspartner sind Mitglied in derselben Freihandelszone, in welcher die VergĂźnstigungen allen Mitgliedern angeboten und die ZĂślle gegenĂźber Nichtmitgliedern nicht erhĂśht werden. Dies bedingt, dass das Vereinigte KĂśnigreich keine Handelsverträge mit einzelnen EU-Ländern abschlieĂen kann; die Regierung in London mĂźsste also direkt mit der EU Ăźber Handelserleichterungen verhandeln und das Land erhielte keine besseren Handelskonditionen als ein EU-Mitglied, damit der Wettbewerb innerhalb der EU nicht verzerrt wird. Diese WTO/GATT-Regel wird auch in Artikel 101 des Vertrags Ăźber die Arbeitsweise der Europäischen Union reflektiert. Aus demselben Grund sind auch Schwierigkeiten zu erwarten, falls das Vereinigte KĂśnigreich zusammen mit der EU in einem HandelsbĂźndnis verbleibt, und dennoch mit Nicht-EU-Ländern Handelsverträge abschlieĂen mĂśchte. Es ist absehbar, dass die EU durch Vertragsbestimmungen eine Besserstellung von Drittländern ausschlieĂen wird.
Theresa May pries den Austritt im Januar 2017 dennoch als Chance auf eine stärkere globale Position des Vereinigten KĂśnigreichs.cite-ref-391[391] Die Hoffnungen auf wirtschaftliche Vorteile durch einen Brexit erfuhren einen weiteren Dämpfer, als im Januar 2018 ein geheimes Regierungspapier an die Ăffentlichkeit gelangte,cite-ref-392[392] in dem Experten der regierenden Konservativen Partei zu dem Schluss kamen, dass das Vereinigte KĂśnigreich durch den EU-Austritt in jedem Fall wirtschaftliche EinbuĂen erleiden werde. Die geringsten EinbuĂen wurden dabei fĂźr das Szenario eines britischen Verbleibs im Binnenmarkt prognostiziert.
Bis September 2018 hatten 25 internationale Banken die Verlegung ihrer EU-Standorte von London nach Frankfurt am Main angekßndigt;cite-ref-393[393] andere ins Auge gefasste Standorte waren Paris und Dublin.cite-ref-394[394] Am 29. März 2019 verÜffentlichte die Irish Times eine Umfrage unter Banken, wonach mÜglicherweise bis zu 1.500 Angestellte Brexit-bedingt von britischen an andere EU-Standorte verlagert wurden.cite-ref-395[395]
Arbeitnehmer, Konsumenten
Vorteile: Im Falle eines Brexits wird die Freizßgigkeit der StaatsangehÜrigen von EU-Mitgliedsländern gestoppt. Dadurch kÜnnte das nominale Lohnniveau steigen; ceteris paribus wßrden die ReallÜhne steigen.
Nachteile: Durch den geplanten Brexit kÜnnte es Bestrebungen geben, die Ükonomischen Kosten des Austritts wie von der Denkfabrik Open Europe vorgeschlagen durch den Abbau bestimmter Vorschriften, darunter auch Arbeitnehmerrechte, zu kompensieren.cite-ref-396[396] Eine negative Folge eines Brexit wäre zudem einhelligen Prognosen zufolge der Verlust hochwertiger Arbeitsplätze, die ins Ausland verlagert werden.cite-ref-397[397]
Das Vereinigte KĂśnigreich ist ein wichtiger Lebensmittel-Exportmarkt fĂźr andere Europäer. Der Saldo zwischen Ex- und Import beträgt gegenĂźber Deutschland 3,4 Mrd. Euro. Die Quote der Eigenversorgung des Vereinigten KĂśnigreichs bei Lebensmitteln lag im Jahr 2016 bei 60 %.cite-ref-398[398] Die Verteuerung beim Warenimport beträfe alle WirtschaftsgĂźter, deren Herstellungskosten teilweise oder komplett in einer Währung abgerechnet werden, deren AuĂenwert gegenĂźber dem Pfund Sterling, mit dem die Konsumenten zahlen, zulegt. Im August 2018 bemerkte die Confederation of British Industry, dass vor allem das Fehlen eines Nachfolgevertrags mit der EU die britischen Konsumenten âhart treffenâ dĂźrfte;cite-ref-399[399] ob es Versorgungsengpässe geben wĂźrde, sei eine Frage der politischen Vorbereitung und der Kaufkraft des Pfund Sterling.
Umwelt
Die Umweltaktivistin Helena Norberg-Hodge und der Extinction-Rebellion-Sprecher Rupert Read stellen den Brexit in einen Zusammenhang mit Tendenzen zu einer Lokalisierung. Ihnen zufolge berge der Brexit zwar das Risiko, dass GroĂbritannien im Sinne eines Race to the bottom von bisher errungenen Zugeständnissen an den Umwelt- und Klimaschutz abrĂźcken kĂśnne. Zugleich liege darin die MĂśglichkeit, sich aus der Verstrickung in eine âfragile, ressourcenintensive und vĂśllig destruktive globale Ăkonomieâ zu lĂśsen und die Anbindung an die Erde und lokale BezĂźge zu erneuern.cite-ref-400[400]
Die Europäische Kommission suspendierte GroĂbritanniens Vergabe von Emissionsberechtigungen (European Union Allowances EUA) des EU-Emissionshandels (ETS) zum 1. Januar 2019 und erklärte, dass EUAs der britischen ETS-Sektion sowie Emissionszertifikate der UNO nach dem Kyoto-Protokoll im Falle eines No-Deal-Brexits unzugänglich wĂźrden.cite-ref-401[401]
Briten im Ausland
Briten mĂźssen im Fall eines No-Deal-Brexits einen Aufenthaltstitel beantragen, um weiter im EU-Ausland leben zu kĂśnnen. Die bisher Ăźber das National Health Service geordnete Krankenversicherung wird ihre GĂźltigkeit verlieren und sie besitzen in der EU keinen Krankenversicherungsschutz (mehr).cite-ref-402[402]
Menschenrechte
Britische Menschenrechtsorganisationen warnten Anfang 2018 in einem offenen Brief, dass der Brexit in seiner bisher geplanten Form die Menschenrechte schwächen wßrde. Da die EU-Grundrechts-Charta ihre Geltung im Vereinigten KÜnigreich verlÜre, entstßnden Gesetzeslßcken, weil nicht alle dort festgelegten Rechte in nationalen Gesetzen abgebildet seien.cite-ref-403[403] Das Karfreitagsabkommen verpflichtet jedoch das Vereinigte KÜnigreich dazu, der BevÜlkerung Nordirlands die Rechte aus der Grundrechtscharta zu garantieren.
Schottland
Die schottische Erste Ministerin und Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon, plante fĂźr 2021 ein neues Referendum Ăźber die Unabhängigkeit Schottlands von GroĂbritannien.cite-ref-massendemo-tagesschau-de-06102019-404-0[404] Bei der Volksabstimmung im Jahr 2014 hatten sich zwar 55 % der Wähler fĂźr einen Verbleib im Vereinigten KĂśnigreich entschieden, allerdings hatten sich 2016 beim Referendum Ăźber den Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs aus der EU in Schottland 62 % der Teilnehmer gegen einen Austritt aus der EU ausgesprochen. Am 6. Oktober 2019 fand in Edinburgh eine Massendemonstration fĂźr die Unabhängigkeit Schottlands von GroĂbritannien statt.cite-ref-massendemo-tagesschau-de-06102019-404-1[404]
Am 12. Oktober 2019 meldete die Financial Times, dass die Abgeordneten der SNP im Londoner Unterhaus bereit seien, den damaligen Parteivorsitzenden der Labour Party Jeremy Corbyn in einer Minderheitsregierung zu unterstßtzen, da dies die einzige MÜglichkeit sei, einen Brexit ohne Vertrag garantiert zu verhindern. Voraussetzung wäre, dass die Labour Party ein zweites Referendum der Schotten ßber eine Abspaltung vom Vereinigten KÜnigreich zulässt.cite-ref-brexit-spiegel-online-12102019-405-0[405]
FĂźr den Fall, dass Nordirland mit der EU assoziiert bleibt â etwa Ăźber einen Verbleib in der Zollunion â, wird erwartet, dass Schottland ebenfalls auf einer Sonderbehandlung bestehen wird.cite-ref-406[406] Beobachter sehen im Brexit und darin, wie unterschiedlich die EU-Frage in England und Schottland gesehen wird, eine mĂśgliche Bedrohung fĂźr die Integrität des Vereinigten KĂśnigreichs.cite-ref-407[407]cite-ref-408[408]
Fßr die Europäische Union
folgen-des-brexits-f-c3-bcr-die-europ-c3-a4ische-unionfolgen-des-brexits-f-r-die-europ-ische-union
Mit einem Brexit verliert die EU ihre zweitgrĂśĂte Volkswirtschaft, das Land mit der drittgrĂśĂten BevĂślkerung und die (bisherige) âFinanzhauptstadt der Weltâ.cite-ref-409[409] Mit dem Brexit entfällt der bis dahin drittgrĂśĂte Nettozahler zur Finanzierung des Haushalts der Europäischen Union (operative Haushaltssalden 2016: Deutschland 10,99 Milliarden Euro, Frankreich 9,22 Milliarden Euro, Vereinigtes KĂśnigreich 6,27 Milliarden Euro).cite-ref-410[410]
Während der Vorbereitungen des nächsten Rahmenhaushaltsplans der Europäischen Union veranschlagte der Kommissar fĂźr Finanzplanung und Haushalt GĂźnther Oettinger im Januar 2018 den Einnahmenverlust in Folge des EU-Austritts des Vereinigten KĂśnigreichs als Nettozahler auf jährlich 13 Milliarden Euro.cite-ref-411[411] Falls das Ausgabevolumen in der EU gleich bliebe, wären die vier Nettozahler Deutschland, Schweden, die Niederlande und Ăsterreich besonders betroffen. So mĂźsste Ăsterreich fortan 400 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr einzahlencite-ref-412[412] und Deutschland jeweils 4,5 Milliarden Euro fĂźr 2019 und 2020[veraltet]. Die Nettozahler sind verhandlungstechnisch im Nachteil: Kommt es innerhalb der verbleibenden EU-27 zu keiner Einigung, den Haushalt zu verkleinern, dann wird der Haushalt unverändert fortgeschrieben.
Das Vereinigte KÜnigreich entfällt beim EU-Austritt als wichtiger Anteilseigner der Europäischen Investitionsbank (EIB), in der nur EU-Mitgliedsstaaten vertreten sind. Der Anteil des Vereinigten KÜnigreichs betrug 16 % oder 3,4 Milliarden Euro.cite-ref-413[413]
Nach dem Vertrag von Lissabon (2009) sind bei Beschlussfassungen mit sogenannter qualifizierter Mehrheit mindestens vier Mitglieder des Rates zur Bildung einer Sperrminorität erforderlich. Diese Regelung wurde getroffen, um die Vorherrschaft der drei bevÜlkerungsreichsten Staaten (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes KÜnigreich) zu unterbinden.cite-ref-414[414] Nach einem Austritt der traditionell auf Haushaltsdisziplin bedachten Briten wßrde Deutschland in diesem Punkt nur noch durch die Niederländer, Balten und Skandinavier unterstßtzt.cite-ref-415[415] Die Befßrworter der EU-Haushaltsdisziplin kÜnnten fortan von den anderen EU-Staaten zum Beispiel bei Abstimmungen zu einer Bankenunion mit EU-weiter Einlagensicherung ßberstimmt werden.cite-ref-416[416] Das ist juristisch problematisch. Wenn mit dem Brexit die Geschäftsgrundlage der im Lissabon-Vertrag vereinbarten Mehrheitsregel entfallen ist, ist eine Anpassung des Quorums fßr die Sperrminorität erforderlich.cite-ref-417[417]
Mit dem Brexit verlor die EU das neben Frankreich einzige weitere Mitglied, das Atommacht und ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist.
Bildung und Forschung
Die Beteiligung des Vereinigten KĂśnigreichs an Bildungskooperationen, die nicht auf die EU beschränkt sind â z. B. am Bologna-Prozess, am Europäischen Qualifikationsrahmen und am Europass â bleibt auch nach einem Brexit mĂśglich.
Fischerei
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
An den etwa 3 Millionen Tonnen Fisch, die in britischen Gewässern gefangen werden, beträgt der britische Anteil lediglich 750.000 Tonnen.cite-ref-418[418] Dieser Anteil wird durch die London Fisheries Convention von 1964 bestimmt sowie durch die Gemeinsame Fischereipolitik der EU. Die britische Regierung kßndigte im Juli 2017 die Kßndigung der 1964er-Konvention an, die irischen Fischern Zugang zu britischen Gewässern ermÜglichte, wodurch die irische Fischereiindustrie besonders hart getroffen wßrde, da sie ein Drittel ihres Fangs von dort erzielt.cite-ref-419[419]
FĂźr Deutschland
Kurz nach dem Referendum verÜffentlichte der Deutsche Bundestag eine Analyse zur Auswirkung eines Brexits auf die EU und insbesondere auf die politische und wirtschaftliche Stellung Deutschlands.cite-ref-420[420] Demnach ist das Vereinigte KÜnigreich nach den USA und Frankreich der drittwichtigste Exportmarkt fßr deutsche Produkte. Insgesamt exportiert Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von jährlich etwa 120 Milliarden Euro dorthin, was etwa 8 % des deutschen Exports entspricht, wobei Deutschland gegenßber dem Vereinigten KÜnigreich einen Handelsßberschuss von 36,3 Milliarden Euro (2014) erzielt. Insgesamt hängen in Deutschland 750.000 Arbeitsplätze am Export nach Britannien. Im Falle eines harten Brexits unterläge der deutsch-britische Handel WTO-ZÜllen, und davon wäre besonders der deutsche Autoexport betroffen, wo ein Zoll von knapp 10 % zu zahlen wäre.
Traditionell ist das Vereinigte KĂśnigreich das wichtigste Exportland der deutschen Automobilindustrie.cite-ref-421[421] Sowohl 2016 als auch 2017, mit fallender Tendenz, wurden mehr Pkw ins Vereinigte KĂśnigreich geliefert (Ăźber 750.000 pro Jahr) als jeweils auf den gesamten amerikanischen Doppelkontinent beziehungsweise nach Asien exportiert wurden.cite-ref-422[422]
Der frßhere Leiter des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bezeichnete den Brexit als verheerend fßr Deutschland. Aus wirtschaftlicher Sicht zerstÜre der Brexit die Sperrminorität im Europäischen Rat, so dass die Mittelmeerländer fortan gegen Deutschland durchregieren kÜnnten.cite-ref-423[423]
Chancen fĂźr EU-Mitgliedstaaten
Die Regierungschefs der nach einem Brexit verbleibenden EU-Mitgliedstaaten ergriffen Strategien, um einen Nutzen aus dem Austritt des Vereinigten KÜnigreichs zu ziehen. Seit seiner Wahl im Mai 2017 versucht der franzÜsische Präsident Macron, die etwa 200.000 in London lebenden Auslandsfranzosen zur Rßckkehr nach Frankreich zu bewegen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Pariser Finanzzentrums zu stärken.cite-ref-424[424] Neben Italien bietet Frankreich die hÜchsten Steuervergßnstigungen fßr Rßckkehrer.cite-ref-425[425]
Im November 2017 gewann Paris vor Dublin durch Losentscheid den Zuschlag als neuer Standort der Europäischen BankenaufsichtsbehÜrde.cite-ref-426[426]
Bis zum September 2018 entstanden als Folge des Brexits EU-weit 630 Arbeitsplätze im Banksektor.cite-ref-427[427]
Eine Reihe von EU-Organisationen, die im Vereinigten KÜnigreich ihren Sitz hatten, planen Umzßge auf den Kontinent bzw. haben diese umgesetzt. In Erwartung des nahenden Brexits schloss die Europäische Arzneimittel-Agentur am 25. Januar 2019 ihr Londoner Bßro mit ca. 900 Arbeitsplätzen und verlegte dieses nach Amsterdam.cite-ref-428[428]
Tatsächliche Folgen des Brexits
Wirtschaft
Bruttoinlandsprodukt
Phillip Inman, Wirtschaftskorrespondent bei der britischen Tageszeitung The Guardian vergleicht am 11. November 2021 die wirtschaftliche Erholung des Vereinigten KĂśnigreichs mit den anderen G7-Staaten, darunter Deutschland, Italien, und die Vereinigten Staaten von Amerika. Nach dem schärfsten Wachstumseinbruch in 300 Jahren befände sich GroĂbritannien zwar wieder in einer Phase des Wachstums, das gegenwärtige Niveau stĂźnde aber bislang 2,1 % unter dem hĂśchsten Stand vor der COVID-19-Pandemie und damit sei die Erholung langsamer als in den anderen G7-Staaten. Die Situation sei damit auch schlechter als in Frankreich, dessen Wirtschaft laut Inman am ehesten mit der GroĂbritanniens vergleichbar sei. Neben einer unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Antwort auf die Krise sieht Inman auch den Brexit als einen wesentlichen Grund fĂźr diese schlechtere Entwicklung. Faktoren seien etwa der durch den Brexit verursachte Fachkräftemangel, sowie der Umstand, dass die europäischen Handelspartner des Vereinigten KĂśnigreichs durch den âharten Brexitâ veranlasst wĂźrden, sich abzuwenden.cite-ref-429[429]
Im September 2023 stellte sich jedoch heraus, dass diese Analyse auf falschen Wachstumsdaten beruhte. Das Wachstum des Vereinigten KĂśnigreichs wurde fĂźr die Zeit seit 2019 um insgesamt 1,8 % nach oben revidiert. Damit liegt das britische Wirtschaftswachstum fĂźr diesen Zeitraum im Vergleich der G7 vor dem Wachstum Deutschlands.cite-ref-430[430]
Arbeitsmarkt
Durch den Wegfall von osteuropäischen Arbeitsmigranten erlebt GroĂbritannien seit dem Herbst 2021 eine Versorgungskrise (insbesondere von Kraftstoffcite-ref-431[431]). Von 2020 bis Herbst 2021 hatten 300.000 Arbeitskräfte GroĂbritannien verlassen. Allein in der Logistikbranche fehlen GroĂbritannien nach dem Brexit 100.000 Lkw-Fahrer.cite-ref-432[432] Das unabhängige Institute for Government macht neben dem Brexit aber auch die COVID-19-Pandemie sowie schlechte LĂśhne und Arbeitsbedingungen fĂźr den Fahrermangel verantwortlich.cite-ref-433[433] Lkw-Fahrer fehlen auch in anderen europäischen Ländern, nach Angaben des Vorstandssprechers des BGL auch in Deutschland, das Problem erreicht dort aber nicht dieselben AusmaĂe wie im Vereinigten KĂśnigreich.cite-ref-434[434]
Abgaben
Die EU und das Vereinigte KÜnigreich haben eine Einigung ßber das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten KÜnigreich erzielt, das seit dem 1. Januar 2021 vorläufig gilt und am 1. Mai 2021 in Kraft getreten ist. Es sieht Nullzollsätze und Nullkontingente fßr alle Waren vor, die den entsprechenden Ursprungsregeln genßgen.cite-ref-435[435]
AuĂenhandel
Durch die Brexit-bedingte Zollgrenze zwischen GroĂbritannien haben sich die Logistikrouten Irlands verschoben. Der RoRo-GĂźter-Verkehr, der von der Republik Irland auf direktem Weg in die restliche EU transportiert wird, hat sich laut dem Irish Maritime Development Office (IMDO) von 16 % im Jahr 2019 auf ein Drittel im November 2021 erhĂśht. Dies hat zur Etablierung 32 neuer Fährverbindungen gefĂźhrt, etwa nach Le Havre, Dunkerque und Cherbourg in Frankreich sowie Zeebrugge in Belgien. Gleichzeitig nahm der Verkehr auf den direkten Routen von Nordirland nach GroĂbritannien zu, historisch floss dieser verstärkt via Fährverbindungen von Dublin. Der Hafen in Belfast verzeichnet ein Verkehrswachstum von 15 %, der in Larne 18 % und der in Warrenpoint 20 %. Diese Entwicklung ist laut IMDO im Kontext der neuen Zoll- und Handelsvereinbarungen zwischen Irland und GroĂbritannien zu sehen.cite-ref-436[436]
Auch im deutsch-britischen AuĂenhandel hat der Brexit Spuren hinterlassen. Die Bedeutung des Vereinigten KĂśnigreichs fĂźr den deutschen AuĂenhandel nahm ab 2017 deutlich ab, als das Land noch der fĂźnftwichtigste deutsche Handelspartner war und seinen Tiefpunkt 2022 erreichte, als die britische Insel aus den Top Ten des deutschen Handelspartnerrankings fiel. Im Jahr 2023 konnte das Vereinigte KĂśnigreich wieder auf Platz 10 aufrĂźcken.cite-ref-437[437] Die AuĂenhandelsagentur Germany Trade & Invest fĂźhrt vor allem den unklaren wirtschaftspolitischen Kurs der britischen Regierung, die von den Brexit-Diskussion ausgelĂśste InvestitionszurĂźckhaltung unter britischen Unternehmen und damit ausbleibende deutsche Maschinenexporte, sowie die Schwäche der Automobilindustrie als wesentliche GrĂźnde an.cite-ref-438[438]
Territorium
AuĂengrenzen
AuĂer der Landgrenze zwischen Irland und Nordirland besitzt Spanien eine gemeinsame Grenze mit dem Britischen Ăberseegebiet Gibraltar. Im weiteren Sinne sind auch die BahnhĂśfe des Kanaltunnels in Frankreich und England Grenzbezirke, da gemäà dem Vertrag von Le Touquet die britischen Grenzkontrollen auf franzĂśsischem Territorium stattfinden und umgekehrt. In der Referendumskampagne hatte Premierminister David Cameron die Grenzkontrollen mit Frankreich problematisiert, indem er das Fortbestehen des Le-Touquet-Abkommens von 2003 im Falle eines Brexits als gefährdet ansah.cite-ref-439[439] Das Abkommen ist als bilateraler vĂślkerrechtlicher Vertrag nicht Teil des Rechts der Europäischen Union.cite-ref-440[440]
Migration
FĂźr die Abwehr illegaler Migranten benĂśtigt das Vereinigte KĂśnigreich nach einem EU-Austritt eine neue Grundlage und es bleibt auf die Zusammenarbeit mit EU-Mitgliedstaaten wie z. B. Frankreich angewiesen.
2018 verzeichneten die britischen BehĂśrden rund 297 Personen, die sich illegal, aus Europa kommend, Zutritt zum KĂśnigreich verschafften. Trotz einer Vereinbarung mit Frankreich vom Januar 2019, nach der das Vereinigte KĂśnigreich 6 Millionen Pfund zahlt, um die illegale Migration zu bekämpfen, stieg die Zahl der AnkĂźnfte 2019 auf 1.800 Menschen.cite-ref-indi010120-441-0[441]cite-ref-442[442] Zu RĂźckfĂźhrungen illegal Eingereister in die Europäische Union kam es 2019 in 125 Fällen.cite-ref-indi010120-441-1[441] Im Jahr 2020 kam es zu mehr als 8.500 illegalen GrenzĂźbertritten am Ărmelkanal, von Januar 2021 bis zum 23. November stieg diese Zahl auf 25.600 Ăbertritte.
Am 26. November 2021 kam es zu einer tĂśdlichen Havarie eines Schlauchboots im Ărmelkanal, bei der 27 Menschen ums Leben kamen.cite-ref-443[443] Dies war der AuslĂśser fĂźr einen diplomatischen Konflikt, in dem sich franzĂśsische und britische Regierungsmitglieder gegenseitigcite-ref-444[444]cite-ref-445[445] verantwortlich machten, illegale GrenzĂźbertritte nicht effizient zu verhindern.cite-ref-446[446] Der britische Premierminister Boris Johnson verĂśffentlichte auf Twitter einen Brief an den franzĂśsischen Präsidenten Emmanuel Macron, in dem er unter anderem vorschlug, britische Beamte sollten auf EU-Gebiet in Frankreich patrouillieren.cite-ref-1-447-0[447] Diese Geste einer medialen VerĂśffentlichung anstelle eines direkten Kontakts wurde von franzĂśsischer Seite als âinakzeptabelâ bezeichnet.cite-ref-448[448] Infolgedessen wurde die Einladung der britischen Innenministerin Priti Patel zu einem Krisentreffen der Innenminister Frankreichs, Belgiens, der Niederlande und Deutschlands mit der Europäischen Kommission zurĂźckgezogen.cite-ref-449[449] Auf diesem Treffen wurde die ständige Ăberwachung des Ărmelkanals aus der Luft durch Frontex beschlossen.cite-ref-450[450] Am 2. Dezember 2021 wies Frankreich offiziell den Vorschlag gemeinsamer Patrouillen britischer und franzĂśsischer Beamter auf franzĂśsischem Boden zurĂźck.cite-ref-1-447-1[447]
Die britische Regierung erklärte, dass sie Vorschläge fßr neue Regelungen fßr die Zuwanderung ßberprßfen werde. Man wolle mit einem Punktesystem hochqualifizierte Arbeitskräfte anziehen.cite-ref-451[451] Am 27. Januar 2020 kßndete sie ein neues Visaprogramm Global Talent Visa fßr Wissenschaftler an, das am 20. Februar in Kraft treten soll
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
.cite-ref-zylbersztajn-452-0[452] Die britische Regierung stellte zudem ihren Neuen Plan zur Einwanderung (New Plan for Immigrationcite-ref-453[453]) vor und bezeichnete diesen als die umfassendste Reform des britischen Asylsystems seit Jahrzehnten.cite-ref-nationality-and-borders-bill-factsheet-454-0[454]
Trivia
⢠Das britische Finanzministerium beauftragte die regierungseigene Royal Mint mit der Prägung von 50-Pence-GedenkmĂźnzen mit â sukzessive â drei geplanten Austrittsdaten. Von der ersten Variante mit dem Datum 29. März 2019 wurden nur Probeexemplare geprägt. Die Prägung mit dem weiteren geplanten Austrittsdatum 31. Oktober 2019 wurde im Oktober 2019 gestoppt und 1 Million dieser MĂźnzen wurden eingeschmolzen. Am 21. Dezember 2019 wurde von der Beauftragung einer siebeneckigen Prägung mit dem Brexit-Datum 31. Januar 2020 und den Worten (Ăźbersetzt) âFrieden, Wohlstand und Freundschaft mit allen Nationenâ berichtet.cite-ref-455[455]cite-ref-456[456]
⢠Bedingt durch die Verschiebung des Austrittstermins Ăźber den 30. März 2019 hinaus lieĂen britische BehĂśrden schon vor dem tatsächlichen EU-Austritt Pässe ohne den Aufdruck Europäische Union ausstellen.cite-ref-457[457]
⢠Dadurch, dass die Mitgliedschaft des Vereinigten KÜnigreiches in der Europäischen Union mit dem 31. Januar 2020 endete, verlor der Schotte Iain Macnab nicht nur seine Unionsbßrgerschaft, sondern kraft Gesetzes auch sein Amt als Bßrgermeister der schleswig-holsteinischen Gemeinde Brunsmark.cite-ref-458[458]
⢠Im Zuge des Brexit Referendums entstand im Vereinigten KĂśnigreich die BĂźrgerbewegung The Three Million, die sich fĂźr die Rechte der im Land lebenden EU-BĂźrger einsetzt und sich nach der Zahl der damals im Land wohnhaften, geschätzten rund 3 Millionen EU-BĂźrgern benannte. Wegen der fehlenden Einwohnermeldestatistik im Land wurden die Zahlen geschätzt. FĂźr Ende September 2023 meldete die Bewegung auf Basis offizieller britischer Statistiken hingegen fast 7,5 Millionen EU-BĂźrger, die im Vereinigten KĂśnigreich leben, und aufgrund ihres Wohnsitzes im Land zum Zeitpunkt des Brexit im Rahmen des âEU Settlement Schemeâ (EUSS) den unbefristeten Aufenthaltstitels âsettled statusâ erlangen konnten.cite-ref-459[459] Damit wurde die tatsächliche, aus der EU stammende BevĂślkerung auf der britischen Insel weitgehend unterschätzt. Das EU-Settlement Scheme unterscheidet zwischen einem vorläufigen Status (âpre-settled statusâ) und einem vollständigen Status (âsettled statusâ); SozialhilfeansprĂźche der EU-BĂźrger und ihrer FamilienangehĂśrigen sind teils ungeklärt bzw. Gegenstand der Rechtsprechung.cite-ref-460[460]
Fernsehfilm
Am 7. Januar 2019 wurde auf dem britischen Fernsehsender Channel 4 der Film Brexit â Chronik eines Abschieds (Brexit: The Uncivil War) ausgestrahlt. Anliegen der Produktion ist es, das bisherige Geschehen nachzuvollziehen, wenngleich auch dramatisiert. In tragenden Rollen sind Benedict Cumberbatch und Rory Kinnear zu sehen, die in dieser fiktiven Erzählung reale Personen darstellen: die Leiter der jeweiligen Kampagnen, Dominic Cummings (âLeaveâ) und Craig Oliver (âRemainâ).cite-ref-461[461]
Dokumentarfilme
⢠Laura Kuenssberg: The Brexit Storm: Laura Kuenssbergâs Inside Story. BBC Two. 1. April 2019.cite-ref-462[462]
⢠Stephan Lamby: Brexit â 24 Stunden bei Spiegel Online. Auszug aus: NervĂśse Republik â Ein Jahr Deutschland. ARD, 2017. 14:17 Minuten.
Austrittsbestrebungen in anderen europäischen Ländern
In einigen europäischen Ländern gibt es Gruppierungen, die ebenfalls einen Austritt aus der Europäischen Union anstreben. In Anlehnung an die Bezeichnung Brexit fĂźr den Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs ist in diesem Zusammenhang die Rede von Czexit (Tschechische Republik),cite-ref-463[463] Danexit (Dänemark), Dexit (Deutschland), Frexit (Frankreich), Grexit (Griechenland), Italexit (Italien), Nexit (Niederlande), Ăxit (Ăsterreich) oder Polexitcite-ref-464[464] (Polen).
Literatur
⢠Rudolph G. Adam: Brexit: Eine Bilanz. Springer, Berlin 2019, ISBN 978-3-658-24589-4.
⢠Nadine Ansorg, Toni Haastrup: Der Brexit jenseits der Grenzen GroĂbritanniens: Seine Folgen fĂźr Afrika (GIGA Focus Afrika No. 03/2016).
⢠Christoph Driessen: Griff nach den Sternen. Die Geschichte der Europäischen Union. Pustet Verlag, Regensburg 2024, ISBN 978-3-7917-3474-3
⢠Christoph Ehland: Brexit: Von einer urbritischen Malaise. Versuch einer kulturhistorischen Einordnung. Universität Paderborn 2019
⢠Mathias HäuĂler: Ein britischer Sonderweg? Ein Forschungsbericht zur Rolle GroĂbritanniens bei der europäischen Integration seit 1945. In: Vierteljahrshefte fĂźr Zeitgeschichte 67, 2019, S. 263â286 (online).
⢠Sebastian Mßller, Gunther Schnabl: The Brexit as a Forerunner. Monetary Policy, Economic Order und Divergence Forces in the European Union. CESifo Working Paper. Nr. 6938. CESifo Group, Mßnchen 2018.
⢠Kiran Klaus Patel: (Br)Exit. Algerien, GrĂśnland und die vergessene Vorgeschichte der gegenwärtigen Debatte. In: Zeithistorische Forschungen 14, 2017, S. 112â127.
⢠Gabriel Rath: Brexitannia: Die Geschichte einer Entfremdung; Warum GroĂbritannien fĂźr den Brexit stimmte. BraumĂźller, Wien 2016, ISBN 978-3-99100-196-6.
⢠Martin Rhodes: Brexit â a disaster for Britain and for the European Union. In: Hubert Zimmermann, Andreas DĂźr (Hrsg.): Key Controversies in European Integration (= The European Union Series). 2. Auflage, Palgrave Macmillan, Basingstoke 2016, ISBN 978-1-137-52951-0, S. 252 ff.
⢠Alan Sked: The case for Brexit: why Britain should leave the EU. In: Hubert Zimmermann, Andreas Dßr (Hrsg.): Key Controversies in European Integration (= The European Union Series). 2. Auflage, Palgrave Macmillan, Basingstoke 2016, ISBN 978-1-137-52951-0, S. 258 ff.
⢠Maria Sobolewska, Robert Ford: Brexitland: Identity, Diversity and the Reshaping of British Politics. Cambridge University Press, Cambridge 2020, ISBN 978-1-108-47357-6.
⢠Daniel Schade: Brexit. In: Werner Weidenfeld, Wolfgang Wessels (Hrsg.): Jahrbuch der Europäischen Integration. 1. Auflage. Nomos, Baden-Baden 2021, ISBN 978-3-8487-7252-0, S. 45â54.
⢠Michael Sonnentag, Die Konsequenzen des Brexits fßr das Internationale Privat- und Zivilverfahrensrecht. Mohr Siebeck, Tßbingen 2017, ISBN 978-3-16-155778-1.
Weblinks
Commons
: EU-Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Brexit
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Brexit â Aus Politik und Zeitgeschichte, Jg. 66 (2016), H. 49/50
⢠Brexit Supplement â Sonderausgabe des German Law Journals (englisch)
⢠Abkommen Ăźber den Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs GroĂbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union und der Europäischen Atomgemeinschaft â der Vertragsentwurf vom Februar 2019 im Wortlaut
⢠Policy paper: The Windsor Framework â The agreement in principle reached by the UK and EU regarding the Windsor Framework
Einzelnachweise
cite-note-brexit-abk-11. â Abkommen Ăźber den Austritt des Vereinigten KĂśnigreichs GroĂbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union und der Europäischen Atomgemeinschaft. In: Amtsblatt der Europäischen Union. L 29, 31. Januar 2020, S. 7â187.
cite-note-22. â Auswärtiges Amt: Der Brexit ist da: Wo stehen wir? Wie geht es weiter? Abgerufen am 10. Juli 2020.
cite-note-44. â Imke KĂśhler: Nach Einigung zu Nordirland: Viel Raum fĂźr Fehlinterpretationen. In: Tagesschau. 1. März 2023 (tagesschau.de [abgerufen am 2. März 2023]).
cite-note-55. â Stormont votes to extend post-Brexit trading arrangements bbc.com, 10. Dezember 2024.
cite-note-66. â Brexit. In: Duden OnlinewĂśrterbuch. Abgerufen am 20. Oktober 2018.
cite-note-77. â Jason Walsh: What happened to Frexit, Grexit, Nexit and Irexit? In: theneweuropean.co.uk. 19. Januar 2017, archiviert vom Original am 20. Juni 2021; abgerufen am 2. Oktober 2018 (englisch).
cite-note-88. â Peter Wildings: Britain, a referendum and an ever-closer reckoning. In: blogactiv.eu. 15. Mai 2012, archiviert vom Original am 3. April 2019; abgerufen am 21. Januar 2019 (englisch).
cite-note-99. â A Brixit looms. In: economist.com. 21. Juni 2012, abgerufen am 19. Mai 2016 (englisch).
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